Es wurde festgestellt, dass die Satelliten, die Amazon zur Bereitstellung globaler Internetdienste in der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) platziert hat, ein ernstes Problem für astronomische Beobachtungen darstellen könnten. Laut einer neuen Studie, die auf der Arxiv-Plattform veröffentlicht wurde und noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen hat, überschreitet das LEO-Satellitennetz von Amazon die von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) empfohlenen Helligkeitsgrenzwerte.
Im Rahmen der Forschung wurden etwa 2.000 einzelne Beobachtungen analysiert. Die Studie ergab, dass die Satelliten zwar meist zu schwach sind, um mit dem menschlichen Auge wahrgenommen zu werden, für empfindliche astronomische Instrumente jedoch hell genug sind. Der durchschnittliche scheinbare Helligkeitswert der Amazon-Satelliten wurde mit 6,28 Magnituden gemessen. Dieser Wert stellt ein erhebliches Hindernis für Teleskope dar, die den Himmel scannen. Zudem wurde in etwa 25 Prozent der Beobachtungen festgestellt, dass die Satelliten eine Helligkeit erreichten, die sogar ohne Teleskop sichtbar wäre.
Erd- und Weltraumteleskope gefährdet
Der Hauptautor der Studie, der Astronom Anthony Mallama, betont, dass insbesondere Observatorien mit weitem Sichtfeld gefährdet sind. Laut Mallama sind große bodengestützte Teleskope wie das Vera C. Rubin Observatorium direkt von solchen hellen Satellitendurchgängen betroffen. Das Problem beschränkt sich nicht nur auf die Erde; auch im Orbit befindliche Observatorien wie das Hubble-Weltraumteleskop können durch diese Helligkeit Qualitätseinbußen bei den Beobachtungen erleiden.
Mallama und sein Team hatten zuvor verschiedene Satellitenkonstellationen untersucht, allen voran das Starlink-Netz von SpaceX. Insbesondere die von AST SpaceMobile betriebenen BlueBird-Satelliten gehören aufgrund ihrer riesigen Antennen zu den hellsten künstlichen Objekten am Nachthimmel. Während die aktuellen BlueBird-Antennen eine Fläche von 64 Quadratmetern haben, wird erwartet, dass diese Fläche bei der nächsten Generation auf bis zu 223 Quadratmeter ansteigt.
Die LEO-Satelliten von Amazon sind Teil des Netzwerks, das früher als Project Kuiper bekannt war. Laut Mallama sind diese Satelliten deutlich lichtschwächer als die BlueBird-Systeme und weisen eine etwas geringere Helligkeit als die Starlink-Satelliten auf. Hier gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied: Starlink-Satelliten kreisen in einer Höhe von etwa 480 Kilometern, während Amazon-Satelliten in 630 Kilometern Höhe positioniert sind. Der Vorteil von Starlink besteht darin, dass es sich in weiten Teilen seiner Umlaufbahn im Erdschatten befindet, was die Sichtbarkeit verringert.
Amazon arbeitet an Gegenmaßnahmen
Es wird darauf hingewiesen, dass Amazon-Satelliten besonders in der Dämmerung auffälliger werden. Die Reflexion des Sonnenlichts in bestimmten Winkeln führt dazu, dass die Satelliten in diesen Zeitfenstern helle Spuren am Himmel hinterlassen. Amazon begann 2025 mit dem Aufbau seines Internetsatellitennetzes. Bisher wurden 180 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht, das endgültige Ziel des Unternehmens ist jedoch, diese Zahl auf über 3.200 zu erhöhen.
Trotz der negativen Aspekte erklären die Forscher, dass Amazon dem Problem Aufmerksamkeit schenkt und erste Maßnahmen ergriffen hat. Das Unternehmen arbeitet an Lösungen, um Sonnenreflexionen in den Weltraum zurückzustrahlen. Seit dem Start der ersten Test-Satelliten im Jahr 2023 wird berichtet, dass Amazon-Ingenieure die Lichtmenge, die die Satelliten zur Erde reflektieren, deutlich reduziert haben.
Betrachtet man die aktuelle Situation, so haben mit Ausnahme der OneWeb-Satelliten, die in einer höheren Umlaufbahn von 1.200 Kilometern kreisen, alle aktiven Internetsatellitennetze – einschließlich Starlink, Amazon sowie der in China ansässigen Projekte Qianfan und Guowang – die von der IAU empfohlenen Helligkeitsgrenzwerte überschritten.





