Das deutsch-britische Verteidigungs-Start-up Hypersonica hat den erfolgreichen Testflug des ersten privat entwickelten Hyperschall-Raketenprototyps in Europa bekannt gegeben. Bei dem Test am 3. Februar im Andøya Space Center im Norden Norwegens überschritt der Prototyp die Geschwindigkeit von Mach 6. Die Rakete legte während des Fluges, bei dem alle Systeme beim Aufstieg und Abstieg normal funktionierten, eine Strecke von über 300 Kilometern zurück.
Hypersonica erklärte, dass dieser Flug die Systemleistung bei Hyperschallgeschwindigkeiten bis auf die Ebene der Subkomponenten validiert habe. Zudem lieferte der Test wichtige Datensätze für die Entwicklung von Manövrierfähigkeit und Flugsteuerungstechnologien. Das Unternehmen strebt an, bis 2029 eine unabhängige europäische Hyperschall-Angriffskapazität einsatzbereit zu machen, im Einklang mit den für 2030 geplanten Rahmenbedingungen der NATO und des Vereinigten Königreichs.
In nur 9 Monaten entwickelt
Laut Defence Industry Europe schloss Hypersonica den gesamten Prozess, einschließlich Design, Integration, rechtlicher Genehmigungen und Startvorbereitungen, in nur 9 Monaten ab. Das im Dezember 2023 in der Nähe von München gegründete Unternehmen mit einer Tochtergesellschaft in London beschäftigt rund 50 Mitarbeiter.
Dank einer modularen Raketenarchitektur gibt das Unternehmen an, die Entwicklungszyklen von Jahren auf Monate verkürzen zu können. Dies könne die Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Verteidigungsprojekten um mehr als 80 Prozent senken.
Hyperschall-Raketen werden als Waffensysteme definiert, die in der Atmosphäre manövrierfähig bleiben und mit mehr als der fünffachen Schallgeschwindigkeit fliegen können. Aufgrund der intensiven thermischen Belastung bei diesen Geschwindigkeiten sind Materialtechnik und die Stabilität der Flugsteuerung von großer Bedeutung.
Sicherheitsbedenken beschleunigen Verteidigungsinvestitionen in Europa
Nachdem Russland seit Ende 2024 das Hyperschall-Raketensystem Oreschnik in der Ukraine eingesetzt hat, das nukleare oder konventionelle Sprengköpfe tragen kann, haben die europäischen Länder ihre Verteidigungsausgaben und die Forschung an fortschrittlichen Waffen verstärkt. Russland gibt an, dass dieses System eine Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern hat.
Europäische Verteidigungsinitiativen konzentrieren sich nicht nur auf die Entwicklung von Hyperschall-Angriffsfähigkeiten, sondern auch auf Gegenmaßnahmen. Die Bereitstellung von 168 Millionen Euro im Arbeitsprogramm 2026 des Europäischen Verteidigungsfonds für Hyperschall-Abwehrsysteme spiegelt das Ziel des Kontinents nach technologischer Unabhängigkeit wider.
Die Gründer von Hypersonica betonen, dass ihr privates Finanzierungsmodell darauf abzielt, europäischen Regierungen die Einführung fortschrittlicher Angriffssysteme schneller und kostengünstiger zu ermöglichen. Das Unternehmen kündigte zudem weitere Testflüge an, um die Manövrierfähigkeit bei Hyperschallgeschwindigkeiten weiter zu demonstrieren.





