Der niederländische Staatssekretär für Verteidigung, Gijs Tuinman, hat eine bemerkenswerte Einschätzung zur Softwarearchitektur der F-35 Lightning II Kampfjets abgegeben. Tuinman erklärte, dass in einem außergewöhnlichen Szenario – etwa wenn die USA die Softwareunterstützung einstellen würden – die F-35-Software mittels einer Methode ähnlich dem „Jailbreak“ bei iPhones geknackt werden könnte.
Tuinman sagte: „Ich werde etwas sagen, das ich eigentlich niemals sagen sollte, aber ich tue es trotzdem: Man kann die F-35 wie ein iPhone jailbreaken.“ Der niederländische Beamte betonte jedoch ausdrücklich, dass die Regierung in Washington bisher keine Entscheidung getroffen hat, Software-Updates oder die Lieferkette zu unterbrechen.
Die F-35 als einziger Kampfjet der Niederlande
Im Inventar der niederländischen Luftstreitkräfte befindet sich mittlerweile nur noch die F-35. Dieser Umstand macht die operative Kontinuität des Flugzeugs für die Landesverteidigung kritisch. Die F-35 ist jedoch nicht nur eine Plattform, sondern Teil eines ganzheitlichen Ökosystems, das mit regelmäßigen Software-Updates, Missionsdatendateien (Mission Data Files - MDF) und einem weltweit koordinierten Wartungssystem arbeitet.
In früheren Analysen wurde behauptet, dass das Flugzeug über einen einfachen „Kill Switch“ (Fernabschaltung) verfüge. Inwieweit dies technisch möglich ist, bleibt unklar, doch die Abhängigkeit von der US-basierten Update- und Wartungsinfrastruktur ist unbestritten. Die Effektivität des Jets hängt von der regelmäßigen Aktualisierung von Sensorfusion, Bedrohungsbibliotheken und der Integration neuer Munition ab.
Die Software der F-35 ist technisch hochkomplex. Es wird angegeben, dass der Quellcode aus mehr als 8 Millionen Zeilen besteht und durch vielschichtige Sicherheitsmaßnahmen geschützt ist. Tuinman vermied weitere Details und erklärte, dass technische Einzelheiten außerhalb seines Kompetenzbereichs lägen.
Experten zufolge könnte eine unbefugte Änderung der Software, selbst wenn sie theoretisch möglich wäre, schwerwiegende Folgen haben. Ein solcher Schritt könnte zum Verlust des Zugriffs auf künftige Updates führen, was dazu führen würde, dass die Flugzeuge in ihrer aktuellen Konfiguration „einfrieren“ und keine neuen Sensoren oder Waffensysteme integriert werden könnten.
Kritische Abhängigkeit von der Cloud
Das F-35 Lightning II-Programm ist so strukturiert, dass die Nutzerstaaten kaum direkte Änderungen an der Software vornehmen können. Fast alle derzeit im Dienst befindlichen F-35 beziehen Updates über ein cloudbasiertes Netzwerk. Die erste Version dieses Systems ist als Autonomic Logistics Information System (ALIS) bekannt. Der Übergang zum Nachfolgesystem Operational Data Integrated Network (ODIN) ist aufgrund technischer Probleme noch im Gange.
ALIS/ODIN ist nicht nur ein Update-Netzwerk; es verwaltet auch Logistikdaten, Wartungsplanung und den Datentransfer vor und nach Einsätzen. Besonders die Missionsdatendateien sind für die Überlebensfähigkeit der F-35 entscheidend. Ohne diese Daten, die Flugrouten und elektronische Kampfführung optimieren, sinken die operative Effektivität und die Überlebenschancen der Piloten erheblich.
Bisher ist Israel das einzige Land, das offiziell das Recht auf lokale Eingriffe in die F-35-Software erhalten hat. Israel hat die Befugnis, eigene Software in seine F-35I-Varianten zu integrieren und diese unabhängig vom ALIS/ODIN-Netzwerk zu betreiben.





