Das in Dublin ansässige Unternehmen Luna Systems hat mit Luna Oculus eine KI-gestützte Rückfahrkamera vorgestellt, die das Radfahren in der Stadt sicherer machen soll. Ähnlich wie die in modernen Autos zum Standard gehörenden Kollisionswarnsysteme wird das Gerät am Heck des Fahrrads montiert, erkennt herannahende Fahrzeuge und warnt den Fahrer in Echtzeit.
Luna Oculus: Intelligente Fahrradkamera kartiert Verkehrsrisiken
Vom Formfaktor her ähnelt die Luna Oculus einem Standard-Rücklicht. Im Inneren des Gehäuses befinden sich jedoch eine Kamera, die in 1080p-Auflösung aufzeichnen kann, und ein Akku, der mit einer einzigen USB-C-Ladung bis zu sechs Stunden Betrieb ermöglicht. Das System nutzt KI-Modelle, die Autos, Lastwagen, Busse und andere Fahrräder identifizieren können. Das Live-Videobild wird auf ein am Lenker montiertes Smartphone übertragen, sodass der Fahrer den Verkehr hinter sich simultan verfolgen kann.
Ein bemerkenswerter Aspekt des Geräts ist, dass alle KI-Berechnungen direkt auf dem Gerät und nicht in der Cloud durchgeführt werden. Das System basiert auf einer neuen Kategorie von KI-Chips, die für Anwendungen mit geringem Stromverbrauch entwickelt wurden, wodurch Latenzzeiten minimiert werden. Der Verzicht auf eine Cloud-Anbindung bietet einen entscheidenden Vorteil in Szenarien, in denen Millisekunden zählen – etwa wenn sich ein Fahrzeug schnell von hinten nähert.
Der Warnmechanismus arbeitet stufenweise je nach Risikostufe. Der Fahrer kann zwischen visuellen Benachrichtigungen, akustischen Warnungen oder beidem wählen und einstellen, ab welcher Entfernung der Alarm ausgelöst wird. Dieser Ansatz bietet eine Personalisierung, die Fahrerassistenzsystemen in Autos ähnelt. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Umgebung zu schärfen, ohne den Fahrer abzulenken.
Luna Oculus beschränkt sich nicht nur auf Echtzeitwarnungen, sondern zeichnet gefährliche Ereignisse automatisch auf. Nahe Überholmanöver unter 1,5 Metern, aggressive Fahrmanöver oder gefährliches Auffahren werden vom System erkannt und geografisch markiert. Diese Daten werden nach der Fahrt mittels Mapping visualisiert und zeigen auf, welche Abschnitte der Route riskanter sind. Während Konkurrenzlösungen wie das Beam RS 1000 zwar KI-Warnungen bieten, fehlt ihnen oft die Mapping-Funktion. Die Fähigkeit von Luna, diese Daten kollektiv zu analysieren, hebt das System vom Wettbewerb ab.
Die Low-Light-Performance ist bei kamerabasierten Systemen stets ein kritischer Punkt. Luna gibt an, dass dank fortschrittlicher Vorverarbeitungs- und Bewegungserkennungsalgorithmen die Objekterkennung bei Dämmerung und in gut beleuchteten Nachtszenarien gewährleistet bleibt. In sehr dunklen Umgebungen erkennt das System Fahrzeuge anhand ihrer Scheinwerfer. Einschränkungen kann es jedoch bei der Erkennung von Fußgängern oder unbeleuchteten Radfahrern geben. Das Gehäuse ist gegen Regen und Schmutz geschützt, und bei einer Blockierung der Linse erhält der Nutzer eine Reinigungswarnung.
Obwohl der Fokus von Luna Systems derzeit auf Fahrrädern liegt, könnten künftig auch Nachrüstlösungen für Motorräder folgen. Der voraussichtliche Verkaufspreis für Luna Oculus wird mit 199 Euro angegeben, inklusive 12 Monaten kostenlosem App-Zugang. Danach soll der Service jährlich 72 Euro kosten.





