Einst als Symbole der Freiheit betrachtet, haben sich Automobile heute in Rechenzentren verwandelt, die auf riesigen Technologie-Infrastrukturen basieren. Internetverbundene moderne Fahrzeuge verbessern einerseits das Fahrerlebnis, können aber andererseits das Verhalten, die Gewohnheiten, den Gesundheitszustand und das tägliche Leben des Fahrers detailliert aufzeichnen. Experten zufolge wird sich diese Situation in den kommenden Jahren noch weiter intensivieren.
Fahrzeuge erstellen tiefe und breite Datenpools
Heutige Autos sind mit Kameras, Sensoren, Internetverbindungen und fortschrittlichen Infotainment-Systemen ausgestattet. Dank dieser Systeme können Automobilhersteller umfassende Informationen über die Fahrer sammeln. Zu den erhobenen Daten gehören der Standort, der Reiseverlauf, die Nutzung des Sicherheitsgurts, plötzliche Bremsmanöver, Geschwindigkeitsgewohnheiten und Medienpräferenzen im Fahrzeug.
Einige Fahrzeuge verfügen über Innenkameras, die auf den Fahrersitz gerichtet sind und Gesichtsausdrücke, Augenbewegungen sowie Verhaltensmuster analysieren können. In den Datenschutzrichtlinien der Hersteller wird angegeben, dass auch hochsensible Informationen wie Alter, Gewicht, ethnische Zugehörigkeit, psychologische Neigungen und biometrische Daten verarbeitet werden können.
Darrell West, leitender Forscher am Center for Technology Innovation des Brookings Institute, stellt fest, dass die Menge der von modernen Fahrzeugen gesammelten Daten die meisten Nutzer überraschen würde. Laut West können diese Systeme Informationen erzeugen, die das tägliche Leben der Menschen fast sekündlich rekonstruieren können.
Versicherungsunternehmen nutzen diese Daten
Versicherungsunternehmen gehören zu den größten Abnehmern der gesammelten Fahrdaten. Insbesondere Informationen aus Telematiksystemen werden zur Erstellung von Risikoprofilen der Fahrer verwendet. Dies kann dazu führen, dass einige Nutzer mit höheren Versicherungsprämien konfrontiert werden.
Ein Beispiel aus einem BBC-Bericht war die Übermittlung von Fahrerdaten durch General Motors an das Datenunternehmen LexisNexis. Berichten zufolge wurde der gesamte sechsmonatige Reiseverlauf eines Fahrers in einen detaillierten Bericht von etwa 130 Seiten umgewandelt. Der Fahrer erfuhr später, dass seine Versicherungsgebühr um 21 Prozent gestiegen war, wobei diese Daten einer der Gründe dafür waren.
Nach einem Eingreifen der US-amerikanischen Federal Trade Commission wurde General Motors der Verkauf von Fahrzeugdaten für fünf Jahre untersagt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass das Unternehmen diese Praxis in Zukunft wieder aufnehmen kann, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Autos als schlechteste Produkte für den Datenschutz
In einer 2023 vom Firefox-Entwickler Mozilla durchgeführten Analyse wurden die Datenschutzrichtlinien von 25 verschiedenen Automarken untersucht. Die Studie ergab, dass keine Marke die Datenschutz- und Sicherheitsstandards von Mozilla erfüllen konnte. Die Organisation bezeichnete Autos als die „schlechteste Produktkategorie, die jemals untersucht wurde“.
Obwohl diese Studie im Jahr 2023 veröffentlicht wurde und ernsthafte Bedenken hervorrief, verschlechtert sich die Situation am aktuellen Punkt weiter. Neue in den USA geplante Regelungen werden fortschrittliche Fahrerüberwachungssysteme in Autos zur Pflicht machen. Ziel dieser Sicherheitstechnologien der nächsten Generation ist es, mittels Infrarotkameras und biometrischen Systemen festzustellen, ob der Fahrer müde, alkoholisiert oder fahrtüchtig ist.
Experten sind der Meinung, dass diese Technologien ein noch größeres Datenschutzproblem schaffen könnten. Denn es gibt keine klaren Beschränkungen für die Verwendung der biometrischen und verhaltensbezogenen Daten, die diese Systeme generieren werden.
Zahl der vernetzten Fahrzeuge steigt rasant
Nach Daten der Beratungsfirma McKinsey verfügten im Jahr 2021 etwa 50 Prozent der Fahrzeuge im Verkehr über eine Internetverbindung. Das Unternehmen prognostiziert, dass dieser Anteil bis 2030 auf 95 Prozent steigen wird.
Experten zufolge ist sich der Großteil der Nutzer nicht bewusst, wie viele Daten ihre Fahrzeuge sammeln. Die meisten Fahrer akzeptieren die langen Datenschutzvereinbarungen bei der Einrichtung des Fahrzeugs, ohne sie zu lesen.
Experten weisen darauf hin, dass Nutzer den Datenaustausch durch bestimmte Maßnahmen reduzieren können. In der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich und in einigen US-Bundesstaaten können Nutzer eine Kopie der gesammelten Daten anfordern, die Löschung verlangen und den Verkauf der Daten unterbinden. Zudem gibt es in einigen Fahrzeugen Datenschutzeinstellungen über die Infotainment-Systeme, die den Datenaustausch einschränken.





