Ein Korruptionsskandal bei der rumänischen Staatsbahn zeigt auf überraschende Weise, wie Technologie für kriminelle Zwecke missbraucht werden kann. Staatsanwälte in Bukarest stellen 33 Mitarbeiter von CFR Călători vor den Richter, da diese das Ticketreservierungssystem manipuliert und sich unrechtmäßige Gewinne verschafft haben sollen.
Berichten zufolge übernahm dieses weitreichende Netzwerk die Kontrolle über Plätze in Schlaf- und Liegewagen, um diese später illegal gegen Bargeld an Fahrgäste zu verkaufen. Der interessanteste Aspekt des Falls ist jedoch, dass die in die Enge getriebenen Angeklagten ChatGPT nutzten, um ihre Verteidigungsstrategie festzulegen.
Details aus den Ermittlungsakten zeigen, dass die Bandenmitglieder personenbezogene Daten von Studenten mit kostenlosem Fahrtanspruch missbrauchten, um gefälschte Reservierungen zu erstellen. Diese Plätze erschienen als belegt, waren jedoch vom Personal „gesperrt“ und wurden am Reisetag auf dem Schwarzmarkt angeboten. Als die Ermittler den Kreis enger zogen, spiegelte sich die Panik der Verdächtigen digital wider: Korrespondenzen belegen, dass mindestens zwei Mitarbeiter die KI nach den rechtlichen Folgen ihrer Taten fragten.
Versuchter Rechtsbeistand durch KI
Die Dialoge zwischen den Verdächtigen und der KI spiegeln eher den Versuch wider, juristische Schlupflöcher zu finden, als die eigene Unschuld zu beweisen. Ein Mitarbeiter fragte etwa: „Wer bestimmt den finanziellen Schaden, wenn die geschädigte Partei keine Entschädigung fordert?“ oder „Gilt das Blockieren von Plätzen als Schaden, wenn kein konkreter finanzieller Verlust nachgewiesen werden kann?“. Es steht sogar die Behauptung im Raum, die KI habe einem Nutzer angeboten, einen personalisierten Verteidigungsentwurf zu erstellen, um mit minimalem Schaden davonzukommen.
Obwohl die KI in ihren Antworten allgemeine Rechtsgrundsätze anführte, konnte sie die spezifischen Details der rumänischen Gesetze und die Funktionsweise des lokalen Justizsystems nicht vollständig berücksichtigen.
In der 700-seitigen Anklageschrift, die nach Polizeirazzien und über einjähriger technischer Überwachung erstellt wurde, finden sich schwere Vorwürfe wie Bestechung, Amtsmissbrauch und Ticketbetrug. Die Staatsanwaltschaft fügte zudem belastende Chat-Nachrichten der Mitarbeiter als Beweismittel hinzu.





