Die BMW Group hebt die Digitalisierung und den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion auf die nächste Stufe. Das Unternehmen führt den Ansatz der sogenannten „Physical AI“, der digitale künstliche Intelligenz mit realen Maschinen verbindet, erstmals in Europa im Werk Leipzig ein. Ziel des Projekts ist es, humanoide Roboter in bestehende Serienprozesse zu integrieren und neue Anwendungen insbesondere in der Batterie- und Komponentenfertigung zu testen.
Ein vorangegangenes Pilotprogramm im US-Werk Spartanburg mit humanoiden Robotern von Figure AI lieferte BMW bereits wichtige Erkenntnisse. Diese Roboter führten täglich 10 Stunden lang, an fünf Tagen die Woche, repetitive und körperlich anspruchsvolle Aufgaben beim Einsetzen von Metallteilen aus. Im Rahmen des Pilotprogramms bewegten die Roboter in 1.250 Arbeitsstunden insgesamt 90.000 Teile und legten 1,2 Millionen Schritte zurück.
AEON-Roboter nehmen die Arbeit auf
Nun bereitet sich BMW darauf vor, die vom Schweizer Unternehmen Hexagon entwickelten AEON-Roboter im Werk Leipzig einzusetzen. Diese Roboter, die erstmals im Juni letzten Jahres vorgestellt wurden, sind mit KI-basierter Bewegungssteuerung und Sensoren zur Umgebungswahrnehmung ausgestattet. AEON-Roboter sind in der Lage, während ihrer Aufgaben zu lernen und ihre Programme basierend auf den angetroffenen Situationen zu aktualisieren.
Die Roboter bewegen sich auf Rädern unter ihren Beinen fort. Jeder von ihnen wiegt 60 kg, ist 165 cm groß und kann bei kurzzeitigen Aufgaben 15 kg, bei langfristigen Einsätzen 8 kg Last tragen. Zudem können die Roboter nach einer Betriebszeit von etwa vier Stunden dank einer automatischen Batteriewechselfunktion unterbrechungsfrei weiterarbeiten.
BMW wird die AEON-Roboter zunächst in Leipzig für verschiedene Aufgaben testen. Nach den Tests sollen sie im Rahmen eines Pilotprogramms die Montage von Hochvoltbatterien sowie andere Produktionsprozesse unterstützen.
Technologische Merkmale der AEON-Roboter
AEON wurde als universelle industrielle Plattform konzipiert, die mit fortschrittlichen mechatronischen Systemen, multimodaler Sensorfusion und physikalischer KI in Echtzeit arbeitet. Sie kann präzise Aufgaben wie Teileströme, Inspektionen, Asset-Scanning und operative Unterstützung in den Bereichen Fertigung, Luft- und Raumfahrt, Transport und Logistik übernehmen.
Laut Hexagon basiert der technologische Kern von AEON auf einer simulationsgetriebenen Entwicklung. Der Roboter lernte Navigations-, Bewegungs- und Manipulationsfähigkeiten in virtuellen Umgebungen auf der Isaac-Plattform von Nvidia, wodurch die Trainingszeit auf wenige Wochen verkürzt wurde. Echtzeit-Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozesse werden von Nvidia Jetson Orin gesteuert, wobei künftig die IGX Thor-Plattform für fortschrittliche kollaborative Sicherheit sorgen soll. Zudem nutzt der Roboter das Nvidia Isaac GR00T-Modell und Mimic-Tools, um von menschlichen Bewegungen zu lernen und synthetische Bewegungsdaten zu generieren.
Hardwareseitig sammelt AEON hochauflösende räumliche Daten und lädt diese über HxDR in das Reality Cloud Studio-System von Hexagon hoch. Dank der Integration von Nvidia Omniverse arbeiten reale Produktionsprozesse und cloudbasierte digitale Zwillingsmodelle simultan, wodurch die Abläufe in der Fertigungslinie über die Cloud optimiert werden können.





