Die Alliance for Open Media steht kurz vor dem Abschluss der Arbeiten am neuen AV2-Codec, der den aktuellen AV1-Standard ablösen soll. Nach mehr als sechs Jahren Entwicklungszeit wird AV2 laut ersten Zahlen die gleiche Bildqualität bei einer um bis zu 30 Prozent niedrigeren Bitrate liefern. Kürzlich wurde das Entwurfsdokument veröffentlicht, das den Bitstream und den Dekodierungsprozess für AV2 definiert.
AV2 nähert sich der Standardisierung
AV2 behält die in AV1 verwendete OBU-basierte Struktur (Open Bitstream Unit) bei, bietet jedoch eine umfassendere Infrastruktur für Multi-Stream- und Multi-Layer-Videoszenarien. Neue OBU-Sektionen wie der Multi-Stream-Decoder, Multi-Frame-Header, Layer-Konfigurationsregister und Operating-Point-Signalisierung wurden mit dieser Version definiert. Diese Struktur ermöglicht flexiblere Auswahlmöglichkeiten auf der Decoder-Seite für Videos, die mehrere Sub-Streams und Layer in einem einzigen Container enthalten.
Zudem wurden für AV2 unter dem Main-Toolset drei verschiedene Multi-Sequence-Strukturen (4:2:0, 4:2:2 und 4:4:4) definiert, während die aktuelle Version insgesamt sechs Profile unterstützt. Auf der Verarbeitungsseite gibt es neue Schritte und Filter. Dazu gehören Cross-Component Sample Offset (CCSO), das Luma und Chroma basierend auf Helligkeit und Gradienten anpasst, sowie der Guided Detail Filter (GDF), der Details selektiv verstärken soll.
Es ist wichtig zu beachten, dass das veröffentlichte Dokument noch ein Entwurf ist und auf den offiziellen Genehmigungsprozess wartet. Daher wird eine kurzfristige Verbreitung der AV2-Unterstützung nicht erwartet. Zum Vergleich: Die finalen Spezifikationen für AV1 wurden 2018 fertiggestellt, während die erste breite Hardware-Unterstützung im Zeitraum 2019-2021 erfolgte. Somit könnte die Wartezeit noch eine Weile andauern.





