Die Linux-Kernel-Community besteht seit über drei Jahrzehnten unter der Führung ihres Schöpfers Linus Torvalds. Obwohl Torvalds, der seit 1991 am Steuer sitzt, für Stabilität sorgt, war das Fehlen eines schriftlichen Notfallplans jahrelang eine stille Sorge innerhalb der Community. Diese Stabilität maskierte die Risiken, die mit der Abhängigkeit von einer einzelnen Führungspersönlichkeit einhergingen. Nun hat die Gemeinschaft jedoch die Realität akzeptiert und den Weg dokumentiert, der im Falle eines Rücktritts oder plötzlichen Ausscheidens von Torvalds eingeschlagen werden soll.
Historische Entscheidung in der Linux-Welt: Plan für die Zeit nach Linus Torvalds bereit
Der neue Nachfolgeplan tritt nur in Kraft, wenn Torvalds plötzlich eine Lücke hinterlässt und eine reibungslose Übergabe nicht möglich ist. Der erste Schritt in einer solchen Krise wird die Ernennung eines „Organisators“ sein, der den Prozess leitet. Diese Rolle wird in der Regel der Person übertragen, die den letzten Maintainer-Gipfel organisiert hat, oder dem Vorsitzenden des Technical Advisory Board der Linux Foundation. Sobald ein Organisator feststeht, gibt es ein begrenztes Zeitfenster, um strukturierte Gespräche mit den wichtigsten Maintainern des letzten Gipfels einzuleiten.
Sollte seit dem letzten Treffen zu viel Zeit vergangen sein, entscheidet der Beirat, wer in den Prozess einbezogen wird, und kann die Liste bei Bedarf ergänzen. Nach Beginn der Gespräche muss die eingeladene Gruppe innerhalb von zwei Wochen eine Einigung über das weitere Vorgehen erzielen. Die getroffenen Entscheidungen und Ergebnisse werden über die etablierten E-Mail-Verteiler veröffentlicht, um die breitere Öffentlichkeit zu informieren. Dieser Prozess ist eher auf Verfahren als auf Einzelpersonen ausgelegt und stützt sich auf Personen, denen bereits bei der Wartung von Subsystemen vertraut wird.
Linus Torvalds ist derzeit 56 Jahre alt und es wird nicht erwartet, dass er seine Position bald aufgibt; dennoch formalisiert dieses Dokument das Unausweichliche: Eines Tages wird auch er gehen. Obwohl Torvalds zuvor Bedenken hinsichtlich der Anzahl der Maintainer geäußert hat, stellt er fest, dass im Laufe der Zeit talentierte Entwickler hinzugekommen sind und das Risiko eines Erfahrungsverlusts abgenommen hat. Dennoch wäre es ein großes Risiko gewesen, sich bei einem Projekt dieser Größenordnung nur auf mündliche Vereinbarungen zu verlassen. Der neue Plan zielt darauf ab, Unsicherheiten in Krisenzeiten zu verringern und improvisierte Entscheidungen unter Druck zu verhindern.





