Die geopolitischen Spannungen in der Welt der künstlichen Intelligenz nehmen zu. Dario Amodei, CEO von Anthropic, hat auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos mit seinen Äußerungen eine neue Debatte in der Technologiewelt entfacht.
Amodei kritisierte die Entscheidung der US-Regierung, den Verkauf von Nvidia-Chips an chinesische Unternehmen zu genehmigen, scharf. Er verglich diesen Schritt mit der Übergabe von Atomwaffen an einen Feind und argumentiert, dass das Embargo auf US-Chips das einzige Hindernis für das Wachstum chinesischer Unternehmen sei.
Dieser Vorstoß erfolgte kurz nachdem die Trump-Administration den Versand von Nvidia H200-Beschleunigern nach China unter der Bedingung genehmigt hatte, einen Anteil von 25 Prozent am erzielten Umsatz zu erhalten. Anthropic vertritt die Position, dass die Exportkontrollen deutlich strenger gehandhabt werden müssen. Dies steht im direkten Gegensatz zur Haltung von Giganten wie Nvidia und AMD, die den chinesischen Markt, in dem die Hälfte der weltweit tätigen KI-Forscher lebt, nicht verlieren wollen. Laut Amodei liegen die USA bei der Chipproduktionstechnologie weit vor China, und es sei entscheidend, die Grenzen geschlossen zu halten, um diesen Vorteil zu wahren.
Open-Source-Modelle und unternehmerischer Wettbewerb
Chinesische Modellentwickler fordern ihre westlichen Konkurrenten insbesondere mit Projekten wie „DeepSeek“ heraus. Der größte Trumpf chinesischer Unternehmen ist dabei die Bereitstellung ihrer Modelle als „Open-Weight“. Das bedeutet, dass jeder mit der entsprechenden Hardware diese Modelle herunterladen und intern betreiben kann. Dies macht chinesische Modelle attraktiv für große Unternehmen, die befürchten, dass ihre Daten versehentlich in ein Trainingsset gelangen könnten. Amerikanische Unternehmen hingegen halten ihre Modelle meist hinter verschlossenen Türen und gewähren den Zugriff nur über APIs.
Amodei behauptet, dass chinesische Konkurrenten noch keine echte Bedrohung darstellen. Er argumentiert, dass Modelle wie DeepSeek auf dem Papier – also in Benchmarks – zwar sehr gut abschneiden, in realen Aufgaben jedoch nicht die gleiche Leistung erbringen. Laut Amodei optimieren chinesische Entwickler ihre Modelle wie Schüler, die nur lernen, um eine Prüfung zu bestehen. Der Anthropic-CEO gibt an, dass er im Wettbewerb um Unternehmensverträge nur Google und OpenAI als Konkurrenten sieht und fast keinen Auftrag an ein chinesisches Modell verloren hat.
Dennoch ist das in diesen ehrgeizigen Aussagen enthaltene Wort „fast“ ein wichtiger Hinweis darauf, dass chinesische Modelle allmählich Marktnischen finden. Während Anthropic sich weigert, seine Flaggschiff-Modelle öffentlich zu teilen und weiterhin im geschlossenen System mit Partnern wie Amazon zusammenarbeitet, wird die Zukunft des KI-Wettlaufs wohl davon abhängen, ob China die technologischen Embargos durchbrechen kann.





