Technologiegiganten aus den USA und Indien befinden sich in einem massiven Wettlauf darum, ihre Infrastrukturen für künstliche Intelligenz über die Erdatmosphäre hinaus zu verlagern. Der enorme Energiebedarf von KI-Systemen, der die Stromnetze auf der Erde zunehmend belastet, treibt Unternehmen dazu, Rechenzentren im Weltraum zu errichten. Einer der bemerkenswertesten Schritte in diesem Wettbewerb war die Integration von Elon Musks KI-Unternehmen xAI in SpaceX am 2. Februar.
Die Grenze für KI ist der Himmel: Werden orbitale Rechenzentren Realität?
Dieses neue, kombinierte Unternehmen, das vor dem anstehenden Börsengang einen Wert von etwa 1,25 Billionen Dollar erreicht hat, hat den Startschuss für den Bau orbitaler Rechenzentren gegeben. SpaceX beantragte am 30. Januar bei der Federal Communications Commission die Genehmigung für den Start von bis zu einer Million Satelliten, die ihre Energie aus kontinuierlichem Sonnenlicht beziehen sollen. Elon Musk erklärte in einem internen Memo, dass weltraumbasierte KI die einzige Methode zur Skalierung sei und der Weltraum innerhalb von 30 bis 36 Monaten zum wirtschaftlich vorteilhaftesten Ort für KI werden würde.
Nicht nur SpaceX, sondern auch andere globale Akteure nehmen am orbitalen Wettlauf teil. Google untersucht mit seiner im November 2025 angekündigten Initiative „Project Suncatcher“ die Installation von Tensor Processing Units (TPUs) auf solarbetriebenen Satelliten. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Planet plant Google, Anfang 2027 erste Prototyp-Satelliten zu starten, um das orbitale Sonnenlicht zu nutzen, das bis zu achtmal effizienter als terrestrische Alternativen ist. Auf der anderen Seite entwickelt Phantom Space, geleitet von SpaceX-Mitbegründer Jim Cantrell, das Phantom Cloud-Netzwerk, das aus 66 Satelliten bestehen soll. Dieses Projekt zielt darauf ab, Cloud-Computing- und Datenspeicherdienste im Orbit anzubieten. Cantrell betont, dass sie im Gegensatz zum personenzentrierten Fokus von Starlink eine ergänzende Rolle einnehmen möchten, indem sie sich auf Maschinen konzentrieren.
Auch Indien nimmt eine ambitionierte Position im Wettstreit um Weltraum-Rechenzentren ein. Das in Chennai ansässige Raumfahrtunternehmen Agnikul Cosmos gab am 12. Februar eine Partnerschaft mit dem Cloud-Dienstleister NeevCloud bekannt. Dank dieser Kooperation sollen die Oberstufen von Agnikul-Raketen genutzt werden, um KI-Rechenzentren in einer niedrigen Erdumlaufbahn zu hosten. Ein erstes Pilotprojekt soll noch vor Ende 2026 gestartet werden, mit dem Ziel, das System innerhalb von drei Jahren auf über 600 orbitale Rechenzentren auszuweiten.
Trotz dieser schnellen Dynamik äußern Analysten und Raumfahrtexperten ernsthafte Zweifel an der kurzfristigen Umsetzbarkeit dieser Projekte. Dylan Taylor, CEO von Voyager Technologies, weist darauf hin, dass die Kühlung im Weltraum eine große Hürde darstellt, da mangels Materie zur Wärmeübertragung die Kühlung ausschließlich über Strahlung erfolgen muss. Hugh Lewis, Experte für Weltraumschrott an der Universität Birmingham, bezeichnet die Vorschläge für eine Million Satelliten in Bezug auf Sicherheit und Nachhaltigkeit als optimistisch, verfrüht und potenziell naiv. Zudem stehen Herausforderungen wie strahlungsbedingte Defekte an Elektronik, hohe Startkosten für schweres Equipment und die Unmöglichkeit physischer Reparaturen im Orbit im Vordergrund. Der Satellitenanalyst Tim Farrar stellt infrage, ob SpaceX vor Ende 2028 über ausreichende Raketenkapazitäten verfügt, um eine signifikante Anzahl von Rechenzentrum-Satelliten zu starten.
Befürworter verweisen hingegen auf die einzigartigen Vorteile des orbitalen Computings. Dazu gehören unbegrenztes Sonnenlicht, passive Kühlung durch Strahlung, das Fehlen von Landbeschränkungen und Datenübertragungsraten, die dank Laserverbindungen im Vakuum schneller als Glasfaser sind. Laut dem Planetenforscher Phil Metzger liegt der Skepsis gegenüber diesen Projekten oft das Übersehen exponentieller Wachstumseffekte zugrunde. Die Verlagerung der KI in den Weltraum, um die energetischen Grenzen der Erde zu überwinden, scheint eine neue Ära in der Technologiewelt einzuläuten.





