Nvidia-CEO Jensen Huang präsentiert eine radikale und bemerkenswerte Vision für die Zukunft der Softwareentwicklung: eine Zukunft, in der überhaupt kein Code mehr geschrieben wird. In einem kürzlich erschienenen Podcast erklärte Huang, dass jeder Ingenieur beim 3-Billionen-Dollar-Chip-Giganten Nvidia mittlerweile den KI-Codierungsassistenten Cursor nutzt. Huangs ultimatives Ziel ist es, Ingenieure vollständig von der Last des Codeschreibens zu befreien.
Neue Ära bei Nvidia: Jeder Ingenieur nutzt KI-Assistenten
Huang gibt an, dass ihn ein Szenario, in dem Ingenieure keinen Code mehr schreiben und sich stattdessen ausschließlich auf die Lösung unentdeckter Probleme konzentrieren, sehr glücklich machen würde. Dieser Ansatz basiert auf der Unterscheidung zwischen „Zweck und Aufgabe“, die Huang in letzter Zeit häufig thematisiert. Seiner Ansicht nach ist das Programmieren nur ein Werkzeug zur Erfüllung einer Aufgabe, während der eigentliche Zweck eines Ingenieurs darin besteht, Probleme zu identifizieren und zu lösen.
Huang, der die Einführung von KI im Unternehmen vehement vorantreibt, reagierte scharf, als er erfuhr, dass einige Führungskräfte ihre Teams unter Druck setzten, den KI-Einsatz zu reduzieren. „Seid ihr verrückt geworden?“, fragte der CEO die Manager und stellte klar, dass er möchte, dass jede automatisierbare Aufgabe von KI übernommen wird. Huang verspricht seinen Mitarbeitern, dass sie nicht arbeitslos werden, sondern stattdessen anspruchsvollere Projekte übernehmen.
Um dies zu verdeutlichen, führte Huang das Beispiel der Radiologie an. Entgegen den früheren Prognosen des KI-Pioniers Geoffrey Hinton seien Radiologen nicht arbeitslos geworden. Seit Maschinen Scans auslesen können, ist die Zahl der Radiologen nicht gesunken; im Gegenteil, ihre Gehälter sind seit 2015 um 48 % gestiegen. Laut Huang war das Auslesen von Scans nur eine Aufgabe, während der eigentliche Zweck die Diagnose von Krankheiten und die Steuerung der Behandlung ist.
Doch nicht jeder in der Technologiewelt teilt Huangs Begeisterung. Sogar Michael Truell, CEO des von Nvidia genutzten Tools Cursor, das derzeit mit 29,3 Milliarden Dollar bewertet wird, äußert sich vorsichtig. Truell warnt vor Situationen, in denen Entwickler Software von der KI erstellen lassen, ohne den Code zu prüfen. Blindes Vertrauen in die KI könne die Grundlagen erschüttern und zum Scheitern von Projekten führen.
Ähnliche Skepsis kam vom ehemaligen Tesla-KI-Direktor Andrej Karpathy. Karpathy gab zu, dass KI-Agenten noch nicht gut genug funktionieren und er sein eigenes Projekt weitgehend manuell schreiben musste. Zudem zeigte eine Studie vom Juli 2025, dass erfahrene Entwickler, die KI-Tools nutzen, tatsächlich 19 % langsamer arbeiteten, obwohl sie sich 20 % schneller fühlten. Diese Daten deuten darauf hin, dass die von Huang erträumte codelose Zukunft noch etwas weiter entfernt sein könnte als gedacht.





