Das bisher erst dritte bestätigte interstellare Objekt, 3I/ATLAS, war während seiner Annäherung an die Erde Gegenstand zahlreicher Verschwörungstheorien, zog jedoch letztlich unauffällig vorbei und setzte seine Reise über unser Sonnensystem hinaus fort. Dieser relativ nahe Vorbeiflug im Dezember bot Wissenschaftlern jedoch die seltene Gelegenheit, dieses interstellare Objekt genauer zu untersuchen. Weltraumbehörden mobilisierten daraufhin alle verfügbaren Mittel. Die seither andauernden Beobachtungen enthüllen weiterhin faszinierende Details über 3I/ATLAS.
Das Neil-Gehrels-Swift-Observatorium der NASA entdeckte auf 3I/ATLAS Hydroxyl-Gas (OH), während sich das Objekt in einer Entfernung von etwa der dreifachen Distanz zwischen Erde und Sonne befand. Da Hydroxyl durch die Spaltung von Wassermolekülen durch Sonnenlicht entsteht, ist dieser Fund ein direkter Hinweis auf Wasseraktivität. Dass 3I/ATLAS in dieser Entfernung bereits etwa 40 Kilogramm Wasser pro Sekunde verliert – ein Stadium, in dem die meisten Kometen noch inaktiv sind –, war für die Forscher eine große Überraschung.
Diese Beobachtung gewinnt an Bedeutung, wenn man sie mit der chemischen Struktur der beiden vorherigen interstellaren Objekte vergleicht. Während Oumuamua kaum Gas- oder Staubaktivität zeigte, fiel Borisov durch seine Kohlenmonoxid-reiche Struktur auf. 3I/ATLAS fügt diesem Bild nun eine neue Dimension hinzu, indem es in unerwarteter Entfernung Wasser freisetzt. Laut Forschern macht jeder neue interstellare Besucher eine Überprüfung bestehender Modelle zur Planeten- und Kometenbildung erforderlich.
Vorläufer der Bausteine des Lebens auf 3I/ATLAS gefunden
Zusätzlich zum Wassernachweis analysierte die NASA-Raumsonde SPHEREx die chemische Zusammensetzung des Kometen mittels Infrarotbeobachtungen. Die Daten belegten die Existenz organischer Moleküle wie Wasserdampf, Kohlendioxid, Methanol, Methan und Cyanwasserstoff. Diese Moleküle gelten als Vorläufer der grundlegenden Bausteine des Lebens. Bereits frühere Messungen des James-Webb-Weltraumteleskops hatten eines der höchsten jemals aufgezeichneten Verhältnisse von Kohlendioxid zu Wasserdampf bei diesem Kometen festgestellt.
Dieser hohe Kohlendioxidanteil deutet darauf hin, dass 3I/ATLAS in den kalten Außenbereichen der protoplanetaren Scheibe um seinen Heimatstern entstanden sein könnte. Es ist bekannt, dass Kometen zu etwa einem Drittel ihrer Masse aus Wassereis bestehen. Dass nun kohlenstoffreiches Material unter der Oberfläche von 3I/ATLAS freigesetzt wird, liefert einen starken Hinweis darauf, wie verbreitet organische Chemie in frühen Planetensystemen gewesen sein könnte.
Wissenschaftler schätzen zudem das Alter des Objekts. Falls 3I/ATLAS, wie vermutet, aus der "Thick Disk"-Region der Milchstraße stammt, könnte sein Alter über 7 Milliarden Jahre betragen. Dies würde ihn zu einem kosmischen Reisenden machen, der älter als unser eigenes Sonnensystem ist.
Obwohl sich 3I/ATLAS immer weiter von der Erde entfernt, sollen durch Beobachtungen bis Mai 2026 so viele Daten wie möglich von diesem seltenen Besucher gesammelt werden.





