Harvard University Informatikprofessor David J. Malan erklärte, dass das nachlassende Interesse an Informatikstudiengängen in letzter Zeit nicht nur auf Künstliche Intelligenz zurückzuführen sei. Während die Zukunft dieses Bereichs insbesondere durch den Aufstieg generativer KI-Systeme diskutiert wird, wurden die Grundlagen für den Rückgang laut Malan bereits vor der weiten Verbreitung von Tools wie ChatGPT gelegt.
Künstliche Intelligenz ist nicht die einzige Ursache
Malan gab an, dass die Verlangsamung im Technologiesektor das Interesse der Studenten stark beeinflusst habe. Der Professor erklärte, dass sich die veränderten Einstellungspolitiken von Technologieunternehmen in den letzten Jahren direkt auf die Universitätsgelände ausgewirkt haben.
Obwohl er einräumt, dass es "definitiv beobachtet" wurde, dass KI das Interesse an der Informatikausbildung verringert hat, betonte Malan, dass der aktuelle Rückgang nicht allein darauf zurückzuführen ist. Insbesondere der Abbau von Einstiegspositionen durch Unternehmen hat die Karriereerwartungen der Studenten negativ beeinflusst.
Campus leeren sich
David J. Malan sagte, dass in der Vergangenheit große Technologieunternehmen intensive Rekrutierungsaktivitäten an Universitäten durchführten, dies jedoch in letzter Zeit deutlich zurückgegangen sei. Der Professor wies darauf hin, dass Unternehmen jetzt weniger Berufsanfänger suchen, was ein wichtiger Faktor ist, der die Motivation der Studenten verringert.
Er äußerte, dass bei den Rekrutierungsprozessen auf dem Campus "weniger Möglichkeiten" geboten werden und einige große Firmen zögern, auf den Campus zu kommen, da es nicht genügend offene Stellen gibt. Das Schwächerwerden der Erwartung, direkt nach dem Abschluss einen Job zu finden, hat die Wahrnehmung der Informatikabteilungen verändert.
"Das Interesse wird schwanken"
Laut Malan wird das Interesse an diesem Bereich nicht völlig verschwinden, aber es wird weiterhin periodische Schwankungen geben. Der Professor stellte fest, dass Menschen in der Technologiewelt dazu neigen, auf Entwicklungen übermäßig positiv oder negativ zu reagieren.
Malan geht davon aus, dass es in den kommenden Jahren ein "Auf und Ab" in der Informatik geben wird, glaubt aber, dass sich mit der Zeit eine ausgewogenere Perspektive entwickeln wird.
Aktuelle, in den USA veröffentlichte Daten bestätigen ebenfalls den Rückgang in diesem Bereich. Nach Angaben des National Student Clearinghouse sanken die Einschreibungen für Informatik an vierjährigen Hochschulen und Universitäten im Herbst 2025 um 8,1 Prozent. Dies ist der größte jährliche Rückgang, der seit mindestens 2020 in einer akademischen Disziplin verzeichnet wurde.
Die Tatsache, dass generative KI-Modelle in der Softwareentwicklung und Code-Generierung immer fähiger werden, hat die Diskussionen über die Zukunft der Informatikausbildung beschleunigt.
Andererseits argumentieren Persönlichkeiten wie der Vorsitzende des OpenAI-Verwaltungsrats Bret Taylor und der Nobelpreisträger Geoffrey Hinton, dass die Informatikausbildung immer noch von großem Wert sei. Sie sind sich jedoch einig, dass grundlegende Programmierkenntnisse in Zukunft nicht mehr ausreichen werden, um erfolgreich zu sein. Es wird darauf hingewiesen, dass umfassendere Fähigkeiten wie analytisches Denken, Problemlösung und Systemdesign in den Vordergrund rücken werden. Malan erinnerte ebenfalls daran, dass Informatik nicht nur aus dem Schreiben von Code besteht.





