Elon Musk kündigte vor kurzem an, den Empfehlungsalgorithmus der Plattform X quelloffen zu machen, nachdem es Spannungen mit der Europäischen Union und daraus resultierende Bußgelder gegeben hatte. Dieser Schritt wurde als Maßnahme gewertet, um mehr Transparenz darüber zu schaffen, wie der Social-Media-Riese die Timelines der Nutzer organisiert, und um den Druck der Regulierungsbehörden zu mildern. Die Veröffentlichung des Codes für jedermann brachte jedoch auch unerwartete Sicherheitsbedenken mit sich.
Verhaltens-Fingerprinting: X-Algorithmus könnte geheime Konten enthüllen
In der Technologiewelt wird es normalerweise als positive Entwicklung begrüßt, wenn Software quelloffen wird. Jüngste Untersuchungen auf X zeigen jedoch, dass dieser Transparenzschritt anonyme Zweitkonten entlarven könnte. Ein Experte für Open-Source-Intelligence, der den veröffentlichten Code der Plattform eingehend analysierte, stieß auf besorgniserregende Details zum Datenschutz. Im Code wurde eine spezielle Struktur namens „User Action Sequence“ entdeckt.
Dieses System geht weit über die einfache Protokollierung von Benutzeraktionen hinaus. Es erstellt einen komplexen Kontext, der Ihre gesamte Verhaltenshistorie auf der Plattform kodiert. Es analysiert sofort Tausende sensibler Datenpunkte, wie die Millisekunden, die Sie beim Scrollen pausieren, die Arten von Konten, die Sie blockieren, die Inhalte, an denen Sie interessiert sind, und Ihre Interaktionsmomente. X nutzt diese Daten eigentlich, um Ihnen die am besten passenden Inhalte zu präsentieren und Sie auf der Plattform zu halten.
Das Funktionsprinzip des Systems führt jedoch gleichzeitig zur Erstellung eines hochpräzisen verhaltensbasierten Fingerabdrucks. Analysen zufolge lassen sich durch den Vergleich der Verhaltensdaten eines bekannten Kontos mit denen anonymer Konten überraschend hohe Übereinstimmungen erzielen. Das bedeutet, dass es selbst bei einer Änderung des Benutzernamens viel schwieriger ist, digitale Gewohnheiten und Reflexe zu verbergen, als man denkt.
Theoretisch kann der verhaltensbasierte Fingerabdruck eines öffentlichen X-Nutzers kartiert und diese Daten leicht mit einem anonymen Konto abgeglichen werden. Es wird sogar angegeben, dass diese Methode verwendet werden könnte, um Konten auf anderen Plattformen wie Reddit oder Discord zu identifizieren. Dies zeigt einmal mehr, dass Algorithmen uns besser kennen als wir uns selbst und wie fragil die Anonymität in der digitalen Welt tatsächlich ist.





