Das US-amerikanische Startup Wardstone hat einen innovativen Entwicklungsprozess im Bereich der weltraumbasierten Raketenabwehr eingeleitet. Das Unternehmen arbeitet an Systemen, die in der Lage sind, Hyperschall-Bedrohungen physisch aus dem Orbit abzufangen. Der erste Prototyp eines Abfangfahrzeugs soll noch in diesem Frühjahr bei einem suborbitalen Flug getestet werden.
Strategie der „Partikelwolke“
Das von Wardstone entwickelte System verfolgt einen anderen Ansatz als das klassische „Hit-to-Kill“-Konzept, also die direkte Kollision. Während herkömmliche Systeme darauf abzielen, den Sprengkopf mit millimetergenauer Präzision zu treffen, bietet die Lösung von Wardstone eine kinetische Methode mit einem größeren Wirkungsbereich. Die Erfolgsrate traditioneller Abfanglösungen liegt im besten Fall bei etwa 60 %, was die Verteidigung sehr unsicher macht.
Nach dem Plan von Wardstone werden die Abfangjäger die Hyperschall-Bedrohung aktiv verfolgen und kurz vor der Kollision eine etwa 1 Kilometer breite Partikelwolke freisetzen. Mit dieser Methode entfällt die Notwendigkeit eines direkten Treffers, während die Abfangwahrscheinlichkeit erhöht und die Kosten für Sensoren sowie Aktoren gesenkt werden sollen. Zudem soll die Lösung widerstandsfähiger gegen abrupte Manöver oder den Einsatz von Täuschkörpern durch Hyperschallraketen sein.
Hyperschallwaffen stellen aufgrund ihrer Geschwindigkeiten von über Mach 5 und ihrer unvorhersehbaren Manövrierfähigkeit eine ernsthafte Bedrohung für bestehende ballistische Raketenabwehrsysteme dar. Da diese Systeme hauptsächlich für vorhersehbare ballistische Flugbahnen ausgelegt sind, ist ihre Wirksamkeit gegen Bedrohungen der nächsten Generation begrenzt.
Vision einer gestaffelten Verteidigung
Im Rahmen des Golden Dome-Programms des US-Verteidigungsministeriums wird eine gestaffelte Verteidigungsarchitektur evaluiert, die weltraumbasierte Sensoren und potenziell orbitale Abfangjäger umfasst. Das Programm zielt darauf ab, ein weltraumgestütztes Raketenabwehrnetz zum Schutz des US-Festlands aufzubauen und fördert die Einbeziehung von Startups in diesen Prozess.
Wardstone plant derzeit nicht, an den vom Space Systems Command durchgeführten Wettbewerben teilzunehmen. Stattdessen bevorzugt das Unternehmen eine schrittweise und kontrollierte Entwicklungsstrategie. Der Start des ersten Prototyps ist für Ende April mit einer Überschall-Forschungsrakete geplant. Forschungsraketen sind suborbitale Trägerfahrzeuge, die es ermöglichen, Hardware unter Hochgeschwindigkeits- und Höhenbedingungen zu testen, ohne sie in den Orbit zu bringen.
Der Bereich der weltraumbasierten Abfangsysteme wurde jahrelang von großen Rüstungskonzernen dominiert. Der Mitbegründer und CEO von Wardstone, Sebastian Fischer, war zuvor bei Organisationen wie Amazon Prime Air, Lockheed Martin und der NASA tätig. Sein Bruder und Mitbegründer Tobias Fischer arbeitete beim Satellitenhersteller Astranis. Die Unternehmensführung argumentiert, dass Startups in der Frühphase die Flexibilität haben, risikoreichere und ungewöhnliche Konzepte auszuprobieren. Wardstone hat kürzlich eine Seed-Finanzierung in Höhe von etwa 5 Millionen US-Dollar erhalten.





