Bakterien und ihre natürlichen Feinde, die Viren, die zur Internationalen Raumstation geschickt wurden, haben eine der außergewöhnlichsten Veränderungen vollzogen, die die Wissenschaftswelt erwartet hat. Forscher, die untersuchen, wie die Schwerelosigkeit biologische Prozesse beeinflusst, stellten fest, dass Viren im Weltraum eine völlig andere Identität annehmen. Diese beeindruckende Studie, die in der Fachzeitschrift PLOS Biology veröffentlicht wurde, zeigt, dass die evolutionäre Transformation von Mikroorganismen im Orbit ein neuer Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen auf der Erde sein könnte.
Die Schwerkraft, über die wir im Alltag kaum nachdenken, ist eine der wichtigsten Kräfte, die die Grundlage des Lebens auf der Erde bilden. Flüssigkeiten vermischen sich, Nährstoffe und Keime kommen in ständiger chaotischer Bewegung miteinander in Kontakt. Im Weltraum wird dieser Rhythmus jedoch völlig unterbrochen. Partikel bewegen sich viel langsamer, was einen ungewöhnlichen Kampf zwischen Viren und Bakterien auslöst. Die im Rahmen des Experiments ins All geschickten Proben von T7-Bakteriophagen und Kolibakterien (E. coli) zeigen im Vergleich zu ihren Gegenstücken auf der Erde überraschende Ergebnisse. Während Viren auf der Erde Bakterien innerhalb von Stunden vernichten, agieren sie im Weltraum wie in Zeitlupe. Dieser etwa einen Monat dauernde, verlangsamte Kampf schafft ein interessantes Szenario, in dem das Leben nicht stillsteht, aber die Regeln des Überlebens völlig neu geschrieben werden.
Vom Weltraumlabor in die Krankenzimmer
Dieser durch die Schwerelosigkeit erzeugte evolutionäre Druck führt dazu, dass Bakterien und Viren ganz andere Mutationen ansammeln als auf der Erde. Während Bakterien dickere Schutzschichten (Biofilme) bilden, um sich zu schützen, entwickeln Viren neue Strategien, um diese Verteidigungslinien zu durchbrechen. Dies entspringt natürlich nicht nur wissenschaftlicher Neugier. Diese Informationen sind lebenswichtig, um die Gesundheit von Astronauten bei künftigen Langzeitmissionen zum Mond veya Mars zu schützen. Zu wissen, wie sich Mikroben in den geschlossenen Ökosystemen von Raumfahrzeugen entwickeln, wird zu einer Grundvoraussetzung für die Sicherheit.
Die eigentlich spannende Entwicklung findet jedoch in der Medizin statt. „Supererreger“, die heute weltweit zu einer der größten Bedrohungen der modernen Medizin geworden sind, können starke Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. Wissenschaftler versuchen, dieses Problem mithilfe von Viren zu lösen, die schädliche Bakterien jagen (Phagentherapie). Diese beschleunigten evolutionären Veränderungen im Weltraum können Viren Eigenschaften verleihen, die sie in Laboren auf der Erde niemals erlangen würden. Die Kopie dieser im All entdeckten neuen Virus-Fähigkeiten öffnet die Tür zu Behandlungsmethoden der nächsten Generation, die selbst gegen die hartnäckigsten Infektionen wirksam sein könnten.
Mit anderen Worten: Der Weg zur Lösung der schwierigsten medizinischen Probleme auf der Erde scheint manchmal über das Verlassen des Planeten zu führen. Dieser stille und tiefgreifende Kampf im Orbit könnte den Kampf künftiger Generationen gegen Krankheiten grundlegend verändern.





