Luna 9 ging 1966 als das erste Raumfahrzeug in die Geschichte ein, dem eine sanfte Landung auf dem Mond gelang. Obwohl die Sonde mit den ersten vom Mond gesendeten Fotos einen großen Erfolg feierte, war ihr exakter Landeplatz aufgrund einer holprigen Landung und unzureichender Tracking-Daten aus jener Zeit seit 60 Jahren unbekannt. Um dieses Rätsel zu lösen, nutzte ein Team des University College London künstliche Intelligenz.
Die Forscher entwickelten einen speziellen Algorithmus für maschinelles Lernen, der Tausende von hochauflösenden Mondbildern des NASA-Lunar Reconnaissance Orbiters scannen kann. Diese Software mit dem Namen „YOLO-ETA“ wurde speziell dafür entwickelt, von Menschen geschaffene Objekte auf der Mondoberfläche zu identifizieren. Der Algorithmus half dabei, potenzielle Standorte einzugrenzen.
Die Suche nach Luna 9
Bei der Landung im Jahr 1966 nutzte das Fahrzeug ein ungewöhnliches System aus einer kugelförmigen Kapsel, aufblasbaren Stoßdämpfern und einem Bremsmotor. Dieses Design führte dazu, dass die Sonde über den Oceanus Procellarum hüpfte und schließlich auf ihren vier blütenblattartigen Paneelen zur Ruhe kam.
Obwohl die Sonde drei Tage lang Fotos von der Mondoberfläche sendete, blieb ihre genaue Position aufgrund der chaotischen Landung ein Geheimnis. Trotz der detaillierten Daten des Lunar Reconnaissance Orbiters, der den Mond seit 2009 fotografiert, konnte die Position von Luna 9 wegen der Abweichung von den ursprünglich berechneten Koordinaten nicht geklärt werden.
Die zur Überwindung dieses Problems entwickelte KI YOLO-ETA kann künstliche Bodenveränderungen erkennen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Sie unterscheidet die Schattenformen von Metallobjekten auf Basaltboden sowie die spezifischen Spuren, die ein Raketentriebwerk aus den 1960er Jahren auf der Oberfläche hinterlassen hat.
Nachdem die KI andere bekannte Orte wie Luna 16 erfolgreich identifiziert hatte, scannte sie ein 25 Quadratkilometer großes Gebiet der sowjetischen Landezone und konzentrierte sich auf Standorte mit hoher Wahrscheinlichkeit für das 60 Jahre alte Wrack.
Bei der Anwendung des Modells auf das 5x5 Kilometer große Gebiet um die historisch unsichere Landestelle wurden nahe der Koordinaten 7.03° Nord und –64.33° Ost hochsichere Erkennungen künstlicher Objekte erzielt. Zudem ergab eine topografische Analyse, dass die Horizontgeometrie der Kandidatenregion mit den Panoramen von Luna 9 übereinstimmen könnte.
Weitere Verifizierung erforderlich
Um den endgültigen Standort von Luna 9 zu bestätigen, benötigen die Forscher noch höher auflösende Orbitalbilder. Der indische Chandrayaan-2 Orbiter, der seit 2019 im Mondorbit kreist, wird bei dieser Suche eine entscheidende Rolle spielen.
Im März 2026 soll der Chandrayaan-2 Orbiter eine Reihe von Tiefflügen über den umstrittenen Koordinaten durchführen. Dank seiner fortschrittlichen Kameras können die von YOLO-ETA identifizierten Bodenveränderungen klar verifiziert werden. Sollten die vier blütenblattförmigen Antennen der Kapsel abgebildet werden, ist das 60-jährige Rätsel offiziell gelöst.





