Wenn man an den Mars denkt, kommt einem heute ein trockener und kalter Planet in den Sinn, der mit ödlandbedeckten Böden überzogen ist. Doch die Daten der letzten zwanzig Jahre, die sowohl von Satelliten im Orbit als auch von Rovern auf der Oberfläche stammen, zeigen, dass der Mars in der Vergangenheit ein völlig anderer Ort war. Ausgetrocknete Flussbetten, Delta-Formationen und Tonmineralien belegen eindeutig, dass der Rote Planet einst flüssiges Wasser beherbergte. Dennoch bleibt die Frage, wie weit verbreitet dieses Wasser war, bis in welche Schichten der Kruste es vordrang und wie es im Laufe der Zeit verschwand, Gegenstand von Diskussionen. Glücklicherweise haben wir einen Besucher aus der Vergangenheit des Mars, um zumindest einen Teil dieser Fragen zu beantworten.
Wasserhaltige Mineralien in 4,48 Milliarden Jahre altem Mars-Meteoriten nachgewiesen
Der 2011 in der Sahara entdeckte Meteorit NWA 7034, besser bekannt als „Black Beauty“, ist mit einem Alter von etwa 4,48 Milliarden Jahren eines der ältesten Mars-Materialien im Sonnensystem und liefert Forschern weiterhin neue Erkenntnisse. Ein Team der Technischen Universität Dänemark hat in diesem Meteoriten bisher unbemerkte wasserhaltige Mineralien identifiziert. Wissenschaftlern zufolge entstand dieser Gesteinsbrocken, als ein riesiger Meteorit auf die Marsoberfläche einschlug, verschiedene Teile der Planetenkruste schmolz und verschmolz und dieses Gemisch anschließend ins All schleuderte.
Anstatt Proben aus dem Meteoriten zu schneiden, scannte das Team das Innere des Gesteins zerstörungsfrei mittels Neutronen- und Röntgen-Computertomographie. Dabei wurden wasserstoffreiche Eisen-Oxyhydroxid-Cluster (H-Fe-ox) nachgewiesen. Diese Mineralkluster machen etwa 0,4 Volumenprozent der Probe aus und enthalten rund 11 Prozent des gesamten Wassergehalts. Der Gesamtwassergehalt von Black Beauty liegt bei etwa 6.000 ppm (parts per million), was ihn zu einem der wasserreichsten bisher analysierten Mars-Meteoriten macht.
Eisen-Oxyhydroxid-Mineralien entstehen in der Regel durch die Wechselwirkung von Wasser mit Gestein. Dies bedeutet, dass diese Mineralien zeigen, dass flüssiges Wasser in der frühen Marskruste chemisch aktiv war. Darüber hinaus wird vermutet, dass diese Phasen nicht nur vorübergehende Spuren an der Oberfläche sind, sondern ein in der Kruste eingebettetes „Wasserreservoir“ darstellen könnten. Forscher betonen, dass dieser Fund zeigt, dass das Wasser auf dem Mars nicht nur auf oberflächliche Seen oder Flüsse beschränkt war, sondern tiefer in die frühe Geologie des Planeten eingriff.
Diese Ergebnisse weisen bemerkenswerte Parallelen zu den Proben auf, die der NASA-Rover Perseverance im Jezero-Krater gesammelt hat. Obwohl Black Beauty aus einer völlig anderen Region als Jezero stammt, deutet das Vorhandensein hydratisierter Eisen-Oxyhydroxid-Phasen an beiden Orten darauf hin, dass solche wasserbezogenen Mineralien auf dem frühen Mars weit verbreitet gewesen sein könnten. Wenn diese Interpretation korrekt ist, könnte es eine Ära gegeben haben, in der großflächige und dauerhafte Wasserreservoirs in den oberflächennahen Schichten des Mars existierten.
Sowohl die USA als auch China planen in naher Zukunft neue Missionen zum Mars. Die während dieser Missionen gesammelten neuen Proben könnten uns helfen, klare Hinweise auf die Vergangenheit des Roten Planeten zu finden.





