Die NASA hat bekannt gegeben, dass erstmals ammoniakhaltige Verbindungen auf der Oberfläche des Jupitermondes Europa nachgewiesen wurden. Diese Entdeckung belebt die Hoffnungen auf die Möglichkeit von Leben auf dem eisbedeckten Mond neu.
Der Befund ergab sich aus einer erneuten Untersuchung von Daten, die das NASA-Raumschiff Galileo zwischen 1995 und 2003 im Jupitersystem gesammelt hatte und die jahrelang im Archiv lagen. Al Emran, Forscher am Jet Propulsion Laboratory der NASA, identifizierte schwache Ammoniakspuren in der Nähe von Rissen auf der eisigen Oberfläche von Europa in Daten, die 1997 während Galileos 11. Jupiter-Orbit mit dem Nahinfrarot-Mapping-Spektrometer aufgezeichnet wurden.
Warum ist Ammoniak wichtig?
Diese Entdeckung ist von großer Bedeutung, da Ammoniak Stickstoff enthält. Stickstoff gehört zusammen mit Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zu den grundlegenden Bausteinen für das Leben, wie wir es kennen. Laut NASA ist dies die erste auf Europa nachgewiesene stickstoffhaltige chemische Spezies, was wichtige Auswirkungen auf die Geologie und potenzielle Bewohnbarkeit des Mondes hat.
Der Studie zufolge könnten diese Ammoniakverbindungen durch kryovulkanische Aktivitäten an die Oberfläche gelangt sein, die geologisch gesehen in der jüngeren Vergangenheit stattgefunden haben könnten. Es wird vermutet, dass mit Ammoniak vermischtes flüssiges Wasser durch Risse in Europas dicker Eiskruste nach oben gestiegen ist. Ammoniak fungiert als natürliches „Frostschutzmittel“, das den Gefrierpunkt von Wasser senkt. Da es in der Weltraumumgebung nicht lange überdauern kann, deutet sein Vorhandensein auf der Oberfläche auf einen erst kürzlich erfolgten Stofftransport hin.
Der Nachweis dieser Verbindungen in der Nähe von großen Rissen und Gruben lässt darauf schließen, dass das Material entweder aus dem unterirdischen Ozean oder aus oberflächennahen Schichten stammt.
Laut der im Fachmagazin The Planetary Science Journal veröffentlichten Arbeit deutet das Vorhandensein von Ammoniakverbindungen auf eine dünnere Eiskruste und einen chemisch reduzierten, unterirdischen Ozean mit hohem pH-Wert hin.
Die NASA betonte, dass diese Entdeckung einmal mehr zeige, wie wertvoll die erneute Untersuchung von Daten aus alten Weltraummissionen mit modernen Analysemethoden ist. Der Ammoniaknachweis stellt auch ein wichtiges Ziel für die am 14. Oktober 2024 gestartete Mission Europa Clipper dar. Clipper wird im April 2030 das Jupitersystem erreichen und 49 Vorbeiflüge an Europa durchführen, um detaillierte Untersuchungen vorzunehmen.





