Die Europäische Union bereitet sich darauf vor, den Zeitplan für das IRIS2-Satellitennetzwerk vorzuziehen, das zur Stärkung der strategischen Unabhängigkeit im Weltraum entwickelt wurde. Laut einer Erklärung des EU-Kommissars für Verteidigung und Raumfahrt, Andrius Kubilius, soll IRIS2, das als direkte Antwort auf Elon Musks Starlink-System positioniert ist, seine ersten Kommunikationsdienste im Jahr 2029 anbieten. Der ursprünglich vorgesehene Termin für IRIS2 war 2030.
Multiorbitales System mit 290 Satelliten
IRIS2 ist als umfassendes Netzwerk konzipiert, das aus insgesamt 290 Satelliten bestehen wird, die in verschiedenen Umlaufbahnen positioniert werden. Das System wird primär ein verschlüsseltes und sicheres Kommunikationsrückgrat für EU-Institutionen, Regierungen der Mitgliedstaaten und öffentliche Agenturen bieten. Darüber hinaus zielt das Projekt darauf ab, Hochgeschwindigkeits-Wi-Fi-Dienste für Bürger in ganz Europa bereitzustellen.
Kubilius unterstrich, dass IRIS2 nicht nur ein ziviles Kommunikationsprojekt ist: „Europa muss über eine eigene souveräne militärische Cloud-Infrastruktur verfügen.“ Dieser Ansatz wird im aktuellen geopolitischen Umfeld, in dem zivile und militärische Einsatzbereiche von Satelliten zunehmend verschmelzen, als kritische Notwendigkeit angesehen.
Es wird berichtet, dass Russlands Invasion in der Ukraine und die politischen Spannungen mit den USA eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung des Projekts spielten. Diese Entwicklungen rückten die Notwendigkeit in den Vordergrund, Europas sensible Infrastrukturen – insbesondere Satellitensysteme – stärker zu schützen. Während Kubilius einräumte, dass Europa immer noch in hohem Maße von amerikanischen Satellitendiensten abhängig ist, erklärte er, dass diese Situation nicht nachhaltig sei.
Übergangssystem GOVSATCOM im Einsatz
Um sicherzustellen, dass Europa bis zur vollständigen Inbetriebnahme von IRIS2 keine Lücken in der Kommunikation erfährt, wurde das temporäre System GOVSATCOM aktiviert. Im Rahmen dieser in der vergangenen Woche gestarteten Initiative wurden acht Satelliten aus fünf EU-Ländern miteinander verbunden, um grundlegende Kommunikationsdienste für die Regierungen und Militärs der 27 Mitgliedstaaten bereitzustellen.
Dennoch steht Europa vor großen Herausforderungen. Laut Kubilius gehören Raketenfrühwarnsysteme und Satellitenstartkapazitäten zu den Hauptbereichen, in denen die EU im Rückstand ist. Insbesondere beim Starttempo wird offen eingeräumt, dass man weit hinter Elon Musks Unternehmen SpaceX zurückliegt.
Einige Mitgliedstaaten tragen bereits mit eigenen nationalen Projekten zum Prozess bei. Deutschland kündigte an, 35 Milliarden Euro für die Weltraumverteidigung bereitzustellen, und arbeitet mit Frankreich an der Entwicklung eines satellitengestützten Raketenfrühwarnsystems namens „Odin’s Eye“. Die Inbetriebnahme dieses Systems ist für Anfang der 2030er Jahre geplant.





