Elon Musk fordert in seinem Rechtsstreit gegen OpenAI eine außergewöhnlich hohe Entschädigung. Er behauptet, dass das Unternehmen von seiner ursprünglichen gemeinnützigen Struktur abgewichen sei und er als früher Investor getäuscht wurde.
In einer am Freitag beim Gericht eingereichten Mitteilung über die „geforderten Ausgaben“ bestätigte Musk offiziell, dass er von OpenAI und dessen größtem Unterstützer Microsoft eine Entschädigung zwischen 79 und 134 Milliarden Dollar verlangt.
Eine durch umstrittene Berechnungen ermittelte Summe
Musk beauftragte den Finanzökonomen C. Paul Wazzan, mit dem er zuvor nie zusammengearbeitet hatte. Wazzan argumentierte, dass Musks frühe Beiträge zu OpenAI zwischen 50 und 75 Prozent des heutigen Wertes der Organisation ausmachen.
Bei dieser Schlussfolgerung berücksichtigte er vier Hauptfaktoren:
- Musks finanzielle Beiträge bis zu seinem Ausscheiden bei OpenAI im Jahr 2018
- Der Anteil an Aktien, den er 2017 bei OpenAI gefordert hatte
- Musks heutiger Anteil an seiner Firma xAI
- Nicht-monetäre Beiträge (Zeitaufwand, Nutzung seines Rufs)
- Diese Berechnungsmethode stieß bei OpenAI und Microsoft auf heftigen Widerstand.
OpenAI und Microsoft beantragten beim Gericht den Ausschluss des Sachverständigenberichts mit der Begründung, Wazzans Ansichten könnten die Jury irreführen. Die Unternehmen behaupteten, die verwendeten mathematischen Methoden seien „erfunden“ und Wazzan habe versucht, Musk mit Berechnungen zufriedenizustellen, die er zuvor nie angewandt habe.
Insbesondere wurde daran erinnert, dass einer der Gründe für Musks Ausscheiden bei OpenAI Unstimmigkeiten mit der Geschäftsführung über die Bewertung seiner Beiträge waren. Dennoch basierten Wazzans Berechnungen auf einem Szenario, das nie eingetreten ist.
Annahmen basierend auf einer nie zustande gekommenen Vereinbarung
Laut OpenAI berechnete Wazzan die Summe unter der Annahme, dass Musk im Jahr 2017 eine Kontrollbeteiligung von 51,2 Prozent an einer neuen gewinnorientierten Struktur gefordert hatte. Dieses Angebot wurde jedoch nie angenommen oder umgesetzt.
Das Unternehmen argumentiert, dass die Berechnung einer Entschädigung auf Basis einer nicht zustande gekommenen Vereinbarung rechtlich problematisch sei.
Warum floss das xAI-Detail in die Berechnung ein?
Ein weiterer Streitpunkt ist Musks eigenes KI-Unternehmen xAI. OpenAI hält es für sinnlos, Anteile an xAI, einem völlig anderen Unternehmen, mit diesem Fall in Verbindung zu bringen.
Zudem habe Wazzan keinen Zugang zu den tatsächlichen Finanzdaten von xAI gehabt und sich lediglich auf öffentliche Schätzungen gestützt, wonach Musk einen Anteil von 53 Prozent an dem Unternehmen hält. OpenAI behauptet, diese Daten seien nur hinzugefügt worden, um die Entschädigungssumme aufzublähen.
„Ein aus ausgewählten Daten erstelltes Bild“
In den von OpenAI bei Gericht eingereichten Dokumenten heißt es: „Wazzan hat lediglich Daten ausgewählt, die zu der wirtschaftlichen Größenordnung passen, die Musk fordern möchte, und behauptet, dass diese die Forderung stützen.“
Darüber hinaus wird kritisiert, dass Wazzan argumentiert, die gleiche Entschädigungssumme müsse gelten, selbst wenn nur eine von vier Behauptungen im Fall akzeptiert würde. Dies verstärkte die Reaktion von OpenAI und Microsoft zusätzlich.
Sachverständigenmethode als „Black Box“ bezeichnet
Beide Unternehmen fordern den vollständigen Ausschluss des Berichts mit der Begründung, Wazzans Berechnungen seien eine unabhängig nicht prüfbare „Black Box“. Während Microsoft sich nicht äußerte, behauptet OpenAI, Musk habe diese Klage eingereicht, um seinem Konkurrenzunternehmen xAI Zeit zu verschaffen.
OpenAI: „Dies ist eine Einschüchterungskampagne“
In einer Erklärung eines OpenAI-Sprechers hieß es: „Musks Klage ist grundlos und Teil einer langjährigen Einschüchterungskampagne. Diese jüngste Forderung dient demselben Zweck. Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, die OpenAI Foundation zu stärken.“
Behauptung: „Nur Musks Beiträge wurden gezählt“
Wazzan berechnete, dass Musks Investition von 38 Millionen Dollar etwa 60 Prozent der Anfangsfinanzierung ausmachte. Er berücksichtigte auch Faktoren wie die Einstellung von Schlüsselmitarbeitern und Musks Reputation.
Laut OpenAI ignorierte Wazzan jedoch die Beiträge aller anderen, einschließlich der Milliardeninvestitionen von Microsoft und der Wissenschaftler, die ChatGPT entwickelten.
Der Prozess im April ist von entscheidender Bedeutung
In dem für April geplanten Prozess wird Musk versuchen, die Berechtigung dieser außergewöhnlichen Entschädigungsforderung zu beweisen. OpenAI betont unterdessen, dass Privatpersonen in einer gemeinnützigen Struktur keine wirtschaftlichen Ansprüche geltend machen können.





