Die NASA hat im Rahmen der Artemis-2-Mission eine weitere kritische Phase für den ersten bemannten Flug zum Mond abgeschlossen. Die Space Launch System (SLS)-Rakete und das Orion-Raumschiff wurden erfolgreich vom Vehicle Assembly Building im Kennedy Space Center in Florida zur Startrampe 39B transportiert. Damit ist die NASA 54 Jahre nach dem Ende des Apollo-Programms auf die Zielgerade für die erste bemannte Mission um den Mond eingebogen.
Der etwa 6,4 Kilometer lange Transportprozess dauerte aufgrund der gewaltigen Ausmaße der Rakete fast 12 Stunden. Auf dem Crawler-Transporter 2, einem Kettenfahrzeug, das sich mit einer Geschwindigkeit von weniger als 1,6 Kilometern pro Stunde fortbewegte, erreichte die SLS am Samstag, den 17. Januar, um 18:42 Uhr Ortszeit die Startrampe. Die 98 Meter hohe Rakete wurde erfolgreich auf der Startplattform fixiert.
Blick nun auf den Februar gerichtet
Der nächste kritische Schritt für die NASA-Teams wird am 2. Februar stattfinden. In dieser Phase werden die Tanks der Rakete mit extrem kalten Treibstoffen beladen, ein vollständiger Start-Countdown wird simuliert und anschließend werden die Treibstoffe kontrolliert wieder abgelassen.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte Artemis 2 frühestens am 6. Februar starten. Allerdings verfügt die NASA Anfang Februar nur über ein begrenztes Startfenster von fünf Tagen. Sollte diese Gelegenheit verpasst werden, wird die Mission auf den März verschoben. Der von der Agentur veröffentlichte Zeitplan zeigt, dass es bis April 2026 in verschiedenen Zeiträumen alternative Startfenster gibt.
Ein 10-tägiger Flug um die dunkle Seite des Mondes
Artemis 2 wird im Rahmen einer insgesamt zehntägigen Mission die dunkle Seite des Mondes umkreisen und anschließend zur Erde zurückkehren. Der Begriff „dunkle Seite des Mondes“ wird für die von der Erde aus nicht sichtbare Rückseite des Trabanten verwendet.
Nach Angaben der NASA wird die Besatzung bis zu etwa 7.400 Kilometer über die fernere Seite des Mondes hinaus fliegen. Aus der Sicht der Astronauten wird der Mond etwa so groß wie ein Basketball erscheinen, den man mit ausgestrecktem Arm hält. Während der gesamten Mission werden die Lebenserhaltungssysteme für den tiefen Weltraum an ihre realen Grenzen getestet.
An dieser historischen Reise werden Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen teilnehmen. Das vierköpfige Team wird den ersten bemannten Testflug des Artemis-Programms durchführen.
Details zur SLS-Rakete
Das Space Launch System, das das Rückgrat von Artemis 2 bildet, ist die wichtigste Schwerlastrakete der NASA. Die SLS, die im vollbetankten Zustand ein Gewicht von etwa 2.600 Tonnen erreicht, ist mit zwei jeweils 54 Meter langen Feststoffboostern und vier RS-25-Triebwerken aus dem Space-Shuttle-Programm ausgestattet. Gemeinsam erzeugen diese Systeme beim Start einen Schub von etwa 39 Millionen Newton, um die Orion-Kapsel und die Oberstufensysteme in den Weltraum zu befördern.
Die Schubkraft der SLS-Rakete entspricht etwa der von 160.000 Corvette-Motoren. Obwohl die SLS eine sehr starke Rakete ist, wird die Starship-Rakete von SpaceX etwa 70 Millionen Newton Schub erzeugen.
Eine lange Pause vor dem Wiedersehen
Artemis 2 baut auf den Erfahrungen des unbemannten Orion-Fluges aus dem Jahr 2022 auf. Die NASA hat in dieser Zeit Probleme mit dem Hitzeschild und den Kapselsystemen behoben, die zu Verzögerungen der Mission geführt hatten. Im Gegensatz zu Artemis 3 wird Artemis 2 nicht auf dem Mond landen. Stattdessen dient sie als umfassende Generalprobe für zukünftige Landemissionen.
Dieser Flug wird die erste bemannte Mission zum Mond seit dem Ende des Apollo-Programms im Jahr 1972 sein. Von den 12 Astronauten, die zwischen 1969 und 1972 auf der Mondoberfläche spazieren gingen, leben heute nur noch vier.
Artemis 2 wird als einer der grundlegenden Schritte für das Ziel betrachtet, eine langfristige menschliche Präsenz auf dem Mond zu etablieren und in Zukunft Menschen zum Mars zu schicken. Obwohl die NASA 2027 als frühestes Datum für Artemis 3 genannt hat, bei der Menschen auf dem Mond landen sollen, halten Experten einen Termin vor 2028 für unwahrscheinlich. Währenddessen verschärft sich der Wettbewerb, da China anstrebt, noch vor 2030 Menschen auf den Mond zu bringen.





