Elon Musks Brain-Computer-Interface-Unternehmen Neuralink hat angekündigt, das Gerät Blindsight, das die Wiederherstellung des Sehvermögens zum Ziel hat, erstmals einem Menschen zu implantieren. Nach Erhalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen könnte dieser Schritt einen historischen Wendepunkt in der Behandlung von vollständiger Blindheit markieren.
Die Ankündigung erfolgte am zweiten Jahrestag der ersten Gehirnchip-Implantation bei einem gelähmten Patienten. Das Unternehmen gab bekannt, dass der Umfang der klinischen Studien erweitert wurde und die Zahl der Teilnehmer von 12 im September weltweit auf 21 gestiegen ist.
Wie funktioniert Blindsight?
Blindsight verfolgt einen völlig anderen Ansatz als herkömmliche Methoden zur Behandlung von Sehverlust. Das System umgeht beschädigte Augen und Sehnerven und erfasst Umgebungsbilder über eine kleine Kamera, die voraussichtlich in eine Brille integriert wird. Diese Daten werden drahtlos an ein im Gehirn platziertes Implantat übertragen, das direkt den visuellen Kortex des Gehirns stimuliert.
Musk hält die Erwartungen bewusst zurück. Er erklärt, dass die in der ersten Phase erzielten Bilder eine niedrige Auflösung haben und verpixelt sein werden. Er merkt jedoch an, dass sich die Sehqualität verbessern könnte, wenn sich das Gehirn mit der Zeit an diese Signale anpasst. Die Technologie wurde für Personen entwickelt, die sowohl ihre Augen als auch ihre Sehnerven verloren haben. Laut Musk könnte es theoretisch sogar für von Geburt an blinde Menschen möglich sein, zum ersten Mal eine Seherfahrung zu machen, solange ihr visueller Kortex intakt ist.
Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) verlieh Blindsight im September 2024 den Status eines „Breakthrough Medical Device“. Dieser Titel beschleunigt den Bewertungsprozess für Geräte, die auf irreversible, schwere Krankheiten abzielen, bedeutet jedoch keine direkte Zulassung.
Möglichkeit der „Supersicht“ in der Zukunft
Musk deutet an, dass Blindsight in Zukunft nicht nur auf die Wiederherstellung des normalen menschlichen Sehvermögens beschränkt sein könnte. Zukünftige Versionen könnten Infrarot-, Ultraviolett- oder sogar radarähnliche Wahrnehmungsformen ermöglichen und damit die menschlichen Sinne über ihre natürlichen Grenzen hinausführen.
Einige Akademiker mahnen jedoch zur Vorsicht. Eine 2024 an der University of Washington veröffentlichte Studie weist darauf hin, dass es schwierig sein könnte, mit im Kortex platzierten Implantaten ein hochauflösendes Sehen zu ermöglichen. Der Grund dafür ist, dass Stimulationen durch Elektroden von Neuronen nicht wie Pixel wahrgenommen werden. Dennoch könnte laut Forschern selbst ein begrenztes Sehvermögen das Leben von Patienten, für die es heute keine Behandlungsoptionen gibt, grundlegend verändern.





