Wenn man an das Weltall denkt, kommen einem riesige Galaxien in den Sinn, die im Licht von Milliarden von Sternen leuchten. Astronomen haben jedoch eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht, die diese Definition grundlegend verändert: ein Himmelsobjekt, in dem nicht ein einziger Stern leuchtet. Diese mysteriöse Struktur namens „Cloud-9“ besitzt eigentlich alle Eigenschaften, die eine Galaxie haben sollte; sie enthält dunkle Materie und trägt eine gigantische Gasmasse in sich, hat es aber nie geschafft, Sterne zu bilden. Dies veranlasste Forscher dazu, sie als eine „gescheiterte Galaxie“ zu bezeichnen.
Cloud-9 gilt als das erste entdeckte Beispiel einer neuen Klasse von Objekten in der Astronomie, die als RELHIC bezeichnet werden. Diese Objekte bestehen im Wesentlichen aus Wolken dunkler Materie, die das unsichtbare Skelett des Universums bilden. Kosmologische Modelle legen nahe, dass dunkle Materie viel früher als normale Materie zu verklumpen begann. Während in den größten dieser riesigen unsichtbaren Halos die uns bekannten Galaxien entstehen, fehlt den kleineren die Kraft zur Sternentstehung. Cloud-9 befindet sich an einem kritischen Punkt genau an der Grenze – weder schwer genug, um Sterne zu gebären, noch leicht genug, um sein Gas zu verlieren. Wäre es etwas massereicher, würde das enthaltene Gas kollabieren und Sterne würden zu leuchten beginnen. Wäre es leichter, würde sich sein Gas im Weltraum zerstreuen.
Die unsichtbare Kraft der dunklen Materie
Das etwa 14 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernte Cloud-9 besteht aus einer Wasserstoffwolke mit der millionenfachen Masse der Sonne. Das Gleichgewicht innerhalb der Wolke ist jedoch der erstaunlichste Aspekt dieses Objekts. Während das Verhältnis von dunkler Materie zu normaler Materie in normalen Galaxien etwa 5 zu 1 beträgt, steigt dieses Verhältnis in Cloud-9 auf ein extremes Niveau von 5.000 zu 1. Das bedeutet, dass die Kraft, die diese Wolke zusammenhält, nicht Sternenlicht ist, sondern ein gewaltiger Halo aus dunkler Materie, der 5 Milliarden Sonnenmassen entspricht. Hochpräzise Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops bestätigten diese Theorie, indem sie sicherstellten, dass sich selbst in den schwächsten Lichtbereichen kein Stern in der Wolke befindet.
Ein weiterer Faktor, der dieses Objekt einzigartig macht, ist seine Lage. Cloud-9 befindet sich in einer sehr isolierten Region, etwa 260.000 Lichtjahre von der Spiralgalaxie Messier 94 entfernt. Diese Einsamkeit ermöglichte es der Struktur, bis heute ohne äußere Störungen zu überdauern. Obwohl Cloud-9 das erste Beispiel seiner Art ist, ist es nicht die einzige entdeckte sternlose Galaxie; auch das im Jahr 2024 entdeckte Objekt J0613+52 wurde als sternlose Struktur registriert. Cloud-9 fällt jedoch in eine andere Kategorie, da es viel kleiner ist und nicht um die eigene Achse rotiert.





