Die wachsende Gewerkschaftskrise bei Samsung Electronics hat begonnen, den globalen Speichermarkt direkt zu beeinflussen. Selbst der noch nicht offiziell begonnene Streikprozess hat zu heftigen Bewegungen bei den DRAM- und NAND-Preisen geführt. Es wird berichtet, dass der südkoreanische Technologieriese einen Aufruf zur Rückkehr an den Verhandlungstisch an die Gewerkschaft gerichtet hat, während die Arbeitnehmervertreter erklärten, dass sie keinen Rückzieher machen werden, solange kein konkretes Angebot vorliegt.
DDR4- und DDR5-Preise stark gestiegen
Branchenquellen zufolge stieg der Spotpreis für Standard-8-GB-DDR4-Speichermodule in der Region Shenzhen Huaqiangbei in China, die als eines der weltweit größten Elektronikhandelszentren gilt, in nur einer Woche um fast 20 Prozent. Daten von China Flash Market (CFM) bestätigen diesen Anstieg ebenfalls. Demnach stieg der Preis für das 8-GB-DDR4-Modul innerhalb einer Woche um 20 Prozent und erreichte ein Niveau von 18 Dollar.
Auch bei DDR5, das in Unternehmenssystemen verwendet wird, hält der Aufwärtstrend an. Der Preis für 64-GB-DDR5-RDIMM-Module stieg auf Monatsbasis um 11 Prozent auf 1.350 Dollar. In einem Markt, in dem die Nachfrage nach Rechenzentren und Systemen für künstliche Intelligenz ohnehin hoch ist, erhöhen die von Samsung ausgehenden Angebotssorgen den Preisdruck weiter.
Die Möglichkeit eines Streiks hat auch begonnen, sich auf den NAND-Flash-Markt auszuwirken. Es wird angegeben, dass sich die NAND-Preise, die sich in den letzten Wochen abwärts bewegten, allmählich stabilisieren.
Insbesondere bei den weit verbreiteten 1Tb-QLC-, 1Tb-TLC- und 512Gb-TLC-NAND-Produkten soll der Preisrückgang gestoppt sein. Experten glauben, dass jede Unterbrechung in der Produktionskapazität von Samsung neue Kostensteigerungen im Speichersektor auslösen könnte.
Samsung will erneut mit der Gewerkschaft verhandeln
Jüngsten Entwicklungen zufolge hat Samsung Electronics die Gewerkschaft nach den gescheiterten staatlich vermittelten Gesprächen zu neuen Verhandlungen aufgerufen. Südkoreanischen Medienberichten zufolge hat die Unternehmensführung ein neues Verhandlungsschreiben an die Gewerkschaftsvertreter gesendet.
Die Gewerkschaftsseite hält den aktuellen Ansatz jedoch nicht für ausreichend. Der Gewerkschaftsvertreter Choi Seung-ho sagte, dass die Gespräche bedeutungslos seien, solange keine Institutionalisierung und Transparenz im Bonussystem des Unternehmens gewährleistet sei. Die Gewerkschaft fordert insbesondere, dass das Gewinnbeteiligungs-System transparenter und an schriftliche Regeln gebunden wird.
Es wurde erklärt, dass man an den Verhandlungstisch zurückkehren könne, wenn das Unternehmen ein detailliertes Angebot vorlegt, das diese Forderungen enthält. Die Gewerkschaft kündigte außerdem an, dass der geplante Streik fortgesetzt wird, falls Samsung bis Freitag um 10:00 Uhr nicht antwortet.
Samsung drohen massive Verluste
Die letzte Verhandlungsrunde bei Samsung dauerte etwa 17 Stunden, aber die Parteien konnten sich nicht einigen. Bislang haben 41.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter ihre Absicht bekundet, sich am Streik zu beteiligen, und es wird erwartet, dass diese Zahl in den kommenden Tagen auf über 50.000 steigen könnte.
Der geplante Streik wird voraussichtlich vom 21. Mai bis zum 7. Juni dauern. Der insgesamt 18-tägige Streik könnte die Halbleiterproduktion von Samsung massiv beeinträchtigen.
Nach Berichten in den südkoreanischen Medien hat Samsung vor dem möglichen Streik damit begonnen, seine Chip-Produktion zu drosseln.
Der südkoreanische Finanzminister Koo Yun-cheol sagte ebenfalls, dass der Streik unbedingt verhindert werden müsse. Der Minister erklärte, dass eine anhaltende Produktionskrise ein ernsthaftes Risiko für das Wirtschaftswachstum, die Exporte und die Finanzmärkte des Landes darstellen würde.
Jüngsten Daten zufolge machen Halbleiterprodukte 37 Prozent der Gesamtexporte Südkoreas aus. Im Vorjahreszeitraum lag diese Quote noch bei 20 Prozent.
JPMorgan gab in einer veröffentlichten Analyse an, dass die Auswirkungen des Streiks auf die Produktion höher sein könnten als zuvor erwartet. Der Bank zufolge könnte der Verlust beim Betriebsgewinn von Samsung zwischen 21 und 31 Billionen Won liegen, falls die Gewerkschaft eine breitere Beteiligung erreicht als erwartet. Diese Zahl entspricht einer Spanne von etwa 14 bis 20,8 Milliarden Dollar.





