Das Wissen über Wurmlöcher, ein fester Bestandteil von Science-Fiction-Filmen und Romanen, könnte sich grundlegend ändern. Während diese Strukturen jahrelang als Abkürzungen für interstellare Reisen oder als Zeitmaschinen imaginiert wurden, stellt sich nun heraus, dass sie im Weltraum möglicherweise gar nicht als Tunnel fungieren. Eine neue Forschungsarbeit legt nahe, dass Einstein-Rosen-Brücken – die mathematischen Strukturen hinter dem Konzept der Wurmlöcher – eher Verbindungen zwischen zwei entgegengesetzten Zeitrichtungen als zwischen Raumpunkten darstellen.
Wurmlöcher könnten Zeitbrücken statt Weltraumtunnel sein
In einem bemerkenswerten Artikel, der diese Woche in der Fachzeitschrift Classical and Quantum Gravity veröffentlicht wurde, interpretierten der Astrophysiker Enrique Gaztañaga und sein Team die ursprüngliche Arbeit von Albert Einstein und Nathan Rosen aus dem Jahr 1935 neu. Den Forschern zufolge beruht die populärkulturelle Wahrnehmung von Wurmlöchern auf einem Missverständnis der ursprünglichen Absicht der Physiker. Das Rätsel, das Einstein und Rosen zu lösen versuchten, war nicht die Raumfahrt, sondern das Verhalten von Quantenfeldern in der gekrümmten Raumzeit.
Professor Gaztañaga von der University of Portsmouth erklärt, dass die Einstein-Rosen-Brücke kein Portal im Weltraum, sondern ein Spiegel in der Raumzeit ist. Diese Arbeit, die auf den Ideen der Physiker Sravan Kumar und João Marto aufbaut, nimmt die Symmetrie in den grundlegenden physikalischen Gesetzen ernst. Diese Gesetze unterscheiden nicht zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wenn beide Zeitrichtungen in die Gleichungen einbezogen werden, erscheinen diese Brücken nicht als passierbare Tunnel, sondern als mathematische Notwendigkeit.
Das Team liefert auch konkrete Beobachtungsbeweise, die diese Theorie stützen. Bestimmte Anomalien im kosmischen Mikrowellenhintergrund erscheinen unter diesem neuen Modell statistisch gesehen 650-mal wahrscheinlicher als unter Standardannahmen. Darüber hinaus bietet diese Neuninterpretation eine mögliche Lösung für das Informationsparadoxon schwarzer Löcher, das Physiker seit langem beschäftigt. Im Gegensatz zu Stephen Hawkings Idee, dass Informationen verschwinden, gehen Informationen laut dem neuen Rahmenwerk nach dem Überschreiten des Ereignishorizonts nicht verloren, sondern entwickeln sich in der entgegengesetzten Zeitrichtung weiter.
Die Forschung legt nahe, dass der Urknall kein absoluter Anfang gewesen sein könnte, sondern ein Quantenübergang zwischen zwei zeitlich umgekehrten Phasen der kosmischen Evolution. Aus dieser Perspektive könnte unser Universum innerhalb eines Schwarzen Lochs existieren, das in einem übergeordneten Universum entstanden ist. Wie Gaztañaga betont, verspricht diese Arbeit keine intergalaktischen Abkürzungen oder Zeitreisen im Science-Fiction-Stil. Stattdessen liefert sie ein viel tieferes ve konsistenteres Bild der Gravitation, das das Gleichgewicht zwischen den entgegengesetzten Zeitrichtungen der Raumzeit beinhaltet.





