In der erdnahen Umlaufbahn könnten riesige Gesteinsbrocken von der Größe eines Fußballstadions mit einer Geschwindigkeit von Tausenden von Kilometern pro Stunde umherwandern. Ein NASA-Beamter wies auf eine ernsthafte Lücke in der Planetenverteidigung hin, indem er erklärte, dass etwa 15.000 „Städtekiller“-Asteroiden noch immer nicht entdeckt wurden.
Kelly Fast, die kommissarische Leiterin der NASA-Planetenverteidigung, erklärte, dass es etwa 25.000 Asteroiden mit einem Durchmesser von mindestens 140 Metern gibt, die regionale Zerstörungen verursachen könnten. Mit den aktuellen Beobachtungssystemen konnten jedoch nur 40 Prozent davon katalogisiert werden.
Die wahre Bedrohung: Mittelgroße Himmelskörper
Laut Fast sind diese noch unentdeckten, mittelgroßen Himmelskörper der eigentliche Grund zur Sorge. Die riesigen Asteroiden, die das Ende der Dinosaurier herbeiführten, werden weitgehend überwacht. Ebenso stellen kleine Fragmente, die in die Atmosphäre eintreten und verglühen, kein ernsthaftes Risiko dar. Die Gefahr geht von Objekten aus, die so groß wie ein Fußballstadion und schwer zu erkennen sind, aber eine Stadt dem Erdboden gleichmachen oder bei einem Absturz ins Meer verheerende Tsunamis auslösen könnten.
Um diese Lücke zu schließen, hat die NASA das Infrarot-Weltraumteleskop „Near-Earth Object Surveyor“ entwickelt. Dieses Teleskop wird Asteroiden nicht anhand ihres reflektierten Lichts, sondern anhand der von ihnen in den Weltraum abgegebenen Wärme aufspüren. Der Start der Mission mit einer Falcon 9-Rakete ist für 2027 geplant. Doch die Entdeckung allein reicht nicht aus.
Kein einsatzbereites Abwehrsystem für den Notfall
Die im Jahr 2022 durchgeführte Mission „Double Asteroid Redirection Test“ (DART) bewies, dass die Umlaufbahn eines Asteroiden durch einen kinetischen Einschlag verändert werden kann. Die Raumsonde kollidierte mit dem kleinen Himmelskörper Dimorphos und erzeugte eine messbare Abweichung in dessen Flugbahn. Laut Missionsleiterin Nancy Chabot gibt es jedoch derzeit kein Abwehrfahrzeug, das im Notfall sofort startklar wäre. Die Theorie funktioniert, aber in der Praxis fehlt die Kapazität für eine schnelle Reaktion.
Der von Wissenschaftlern genau beobachtete Asteroid 2024 YR4 hat eine Wahrscheinlichkeit von etwa 4 Prozent, im Jahr 2032 mit dem Mond zu kollidieren. Obwohl keine direkte Bedrohung für die Erde besteht, könnte eine Kollision mit dem Mond schwerwiegende wissenschaftliche und strategische Folgen haben.
Einige Experten geben an, dass sogar eine nukleare Interventionsoption auf dem Tisch liegen könnte, um eine mögliche Kollision zu verhindern. Obwohl diese Idee an den Hollywood-Film Armageddon erinnert, ist sie eine der Methoden, die im Bereich der Planetenverteidigung theoretisch evaluiert werden.
Eines der größten Hindernisse für die Planetenverteidigung ist die Finanzierung. Laut Experten sind langfristige und stabile Investitionen erforderlich, um eine dauerhafte Schnelleingriff-Flotte aufzubauen. Dafür müssen jedoch zuerst die unsichtbaren Asteroiden gefunden und anschließend die Technologie bereitgehalten werden, um im Bedarfsfall einzugreifen.





