In Japan geht eines der Kernkraftwerke, die nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima Daiichi im Jahr 2011 lange Zeit geschlossen waren, wieder in Betrieb. Die Tokyo Electric Power Company Holdings (TEPCO) hat den schrittweisen Prozess zum Wiederhochfahren von Reaktor 6 des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata offiziell eingeleitet.
Stufenweiser Inbetriebnahme-Prozess in der Großanlage gestartet
Reaktor 6 mit einer installierten Leistung von rund 1,36 Gigawatt wurde für den Start der Kernreaktion vorbereitet, nachdem die japanische Nuklearregulierungsbehörde (NRA) die Genehmigung für den „Testbetrieb“ erteilt hatte. TEPCO plant, die Leistung des Reaktors innerhalb etwa einer Woche auf 50 Prozent der vollen Kapazität zu steigern, ihn dann vorübergehend abzuschalten und zusätzliche Sicherheits- sowie technische Kontrollen durchzuführen. Sofern der gesamte Prozess reibungslos verläuft und die endgültige behördliche Genehmigung vorliegt, soll der Reaktor gegen Ende Februar den kommerziellen Betrieb wieder aufnehmen.
Das Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa liegt etwa 220 Kilometer nordwestlich von Tokio an der Küste des Japanischen Meeres. Wenn alle sieben Reaktoren in Betrieb sind, erreicht es eine Gesamtkapazität von 8,2 Gigawatt und gehört damit zu den leistungsstärksten Kernkraftwerken weltweit. Obwohl sich die Anlage in einer Küstenregion befindet, wird der Großteil des erzeugten Stroms in die dicht besiedelten Gebiete von Tokio und Umgebung geleitet.
Nach Reaktor 6 soll auch Reaktor 7 in Betrieb genommen werden, wobei dies voraussichtlich um das Jahr 2030 geschehen wird. Zudem ist vorgesehen, einige ältere Reaktoren dauerhaft außer Dienst zu stellen.
Japan kehrt zur Kernenergie zurück
Nach der Fukushima-Katastrophe infolge des Erdbebens und Tsunamis im Jahr 2011 hatte Japan alle 54 Kernreaktoren des Landes schrittweise abgeschaltet. Zu diesem Zeitpunkt deckte die Kernenergie etwa 30 Prozent der Stromerzeugung des Landes ab. Obwohl es heute 33 technisch einsatzbereite Reaktoren gibt, produzieren derzeit nur 15 davon aktiv Strom.
Laut Daten aus dem Jahr 2023 liegt der Anteil der Kernenergie an der gesamten Stromerzeugung Japans bei 8,5 Prozent. Bis 2040 soll dieser Anteil auf 20 Prozent gesteigert werden. Premierministerin Sanae Takaichi fördert den Bau neuer Reaktoren, insbesondere der nächsten Generation sowie kleiner modularer Reaktoren (SMRs). Das Land hat zudem ein neues öffentliches Finanzierungsprogramm angekündigt, um die Rückkehr zur Kernenergie zu beschleunigen.
Es wird prognostiziert, dass Japans Importe von Flüssigerdgas (LNG) – neben China einer der weltweit größten Abnehmer – infolge der jüngsten Entwicklungen im Nuklearbereich sinken werden. Schätzungen gehen davon aus, dass die LNG-Importe im Jahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 4 Millionen Tonnen auf 62 Millionen Tonnen zurückgehen werden.




