Die bisher umfassendste Felduntersuchung in Europa mit rund einer Million Fahrzeugen hat ergeben, dass Plug-in-Hybrid-Autos (PHEV) deutlich mehr Kraftstoff verbrauchen als in den offiziellen Testdaten angegeben. Die Studie wurde zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem die Europäische Union plant, die Regelungen für PHEVs zu überarbeiten.
Reale Verbrauchsdaten verdreifachen die Testwerte
Die Untersuchung wurde vom deutschen Fraunhofer-Institut durchgeführt. In der Studie wurden die Daten des On-Board Fuel Consumption Monitoring (OBFCM) von 981.035 Fahrzeugen in ganz Europa analysiert.
Nach den geltenden europäischen Vorschriften sollten PHEVs durchschnittlich 1,57 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Die realen Nutzungsdaten zeigten jedoch einen Durchschnitt von 6,12 Litern pro 100 Kilometer. Dies entspricht einem 3,26-mal höheren Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu den offiziellen WLTP-Werten. Mit anderen Worten: PHEVs kommen dem auf dem Papier versprochenen Effizienzniveau nicht nahe.
Verbrennungsmotor auch im Elektromodus aktiv
Die Forschung untersuchte nicht nur den Gesamtverbrauch, sondern auch den primär elektrischen Fahrmodus (CD). Da in vielen europäischen Stadtzentren Beschränkungen für Verbrennungsmotoren eingeführt werden, ist dieser Modus von entscheidender Bedeutung.
Während der Durchschnittsverbrauch nach WLTP-Daten mit 1,57 L/100 km berechnet wurde, lag der reale Verbrauch selbst im elektrisch orientierten CD-Modus bei 2,98 L/100 km. Dieser Wert ist fast doppelt so hoch wie die Testergebnisse. Dies deutet darauf hin, dass der Verbrennungsmotor selbst im Elektromodus häufiger als erwartet anspringt.
Luxusfahrzeuge werden kaum aufgeladen
Die Studie analysierte auch die Ladehäufigkeit nach Marken. Während Fahrzeuge preisgünstigerer Marken häufiger geladen wurden, kehrte sich das Bild im Luxussegment um.
Besonders die Daten für Porsche wurden als „bemerkenswert“ eingestuft. Ein durchschnittlicher Porsche PHEV in der Datenbank wurde über eine Laufleistung von 27.000 Kilometern insgesamt nur mit 7 kWh Strom aufgeladen. Mehr als die Hälfte der 11.307 untersuchten Porsche-Fahrzeuge wurde während des gesamten Untersuchungszeitraums überhaupt nicht an eine Steckdose angeschlossen. Ähnlich gehörten Modelle von Bentley und Ferrari zu den am wenigsten geladenen Fahrzeugen.
Die Europäische Union plant, den bei der Emissionsberechnung verwendeten Nutzungsfaktor (UF) zu aktualisieren, um genauer widerzuspiegeln, wie lange diese Fahrzeuge tatsächlich elektrisch oder mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Die für 2025 und 2027 geplanten Revisionen sollen die hohen Emissionsgutschriften für PHEVs deutlich reduzieren. Automobilhersteller betreiben jedoch intensives Lobbying, um die bestehenden vorteilhaften Berechnungsmethoden beizubehalten.
Laut der Studie könnten in den nächsten 20 Jahren zusätzliche 23 bis 25 Millionen Tonnen CO2-Emissionen entstehen, wenn die geplanten Änderungen nicht umgesetzt werden.





